Über die berührende Begegnung mit Ingrid Betancourt, der ehemaligen kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin, die mehr als sechs Jahre von Rebellen im Dschungel gefangen gehalten worden war, habe ich ja schon gestern geschrieben. Es war mich ein Buchmessen-Erlebnis, das bleiben wird.
Betancourt ist jedoch nicht die einzige Frau, die (nicht nur) mich in den vergangenen Tagen beeindruckte und die die menschliche Seite hinter all den Büchern und Geschäften zeigte.
Stehenden Applaus hatte es bereits für Elsa Oesterheld gegeben. Sie ist die Witwe des während der Militärdiktatur verschwundenen Schriftstellers Dr. Héctor Oesterheld und Mitbegründerin der „Mütter der Plaza de Mayo” und war bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von der argentinischen Präsidentin Christina Fernández de Kirchner geehrt worden.
Eindrucksvoll war auch die Rede von Griselda Gambaro, die über 80-jährigen Grand Dame der argentinischen Literatur, am Eröffnungsabend gewesen. Gambaro, die während der Militärdiktatur selbst einige Jahre im Exil leben musste, hatte sich in ihrer Rede mit der (nicht käuflichen) Macht der (argentinischen) Schriftsteller beschäftigt, und dem, was sie antreibt. Bei ihrem eigenen Schreiben habe sich jeder Satz gegen die Ungerechtigkeit der Welt auflehnen wollen.
Wider Erwarten anrührend, war auch die Präsentation des Buches „Tapfer lieben”, das in dieser Woche in zehn Ländern parallel erschienen ist. Es gibt Einblicke in die innere Biografie von Marilyn Monroe, einer Frau, die sich, wie ihre persönlichen Aufzeichnungen zeigen, auf immer dünner werdenden Eis bewegte.
Die Entstehungsgeschichte des Buches, erzählt von Anna Strasberg, passt zu Hollywood, denn sie ist ebenfalls filmreif: Umjubelte Schauspielerin schreibt Tagebuch und verfasst Gedichte – leidenschaftlich und verzweifelt, selbstironisch und literarisch. Sie stirbt jung, unter dramatischen Umständen, ihr Nachlass geht über an ihren Schauspiellehrer (Lee Strasberg) und nach dessen Tod an seine junge Witwe (Anna). Diese räumt den Papierkram in Kartons weg, vergisst ihn und findet ihn Jahrzehnte später beim Aufräumen zufällig wieder. Sie ist erschüttert von dem Fund, der ein Blick in das Innerste des Stars gewährt, ebenso wie alle anderen, die mit den Gedichten und Aufzeichnungen in Berührung kommen und beschließt nach sorgfältigen Überlegungen, die Gedichte, Briefe und Notizen zu veröffentlichen.
Nun liegen sie vor und zeigen eine andere Seite der “Blondine”, die, wenn sie noch leben würde, heute vermutlich eine 84 Jahre alte Grand Dame der amerikanischen Filmindustrie wäre.
Neue Kommentare