Susanne Broos

Aufgewachsen in Frankfurt am Main, vor sechs Jahren in Hamburg angelandet, Diplom-Kauffrau und seit vielen Jahren als Fachjournalistin, Redakteurin, Autorin und seit neuesten auch als Verlegerin von Irdana – Verlag für spirituelle Literatur von Frauen mit der internationalen Buchbranche und der Frankfurter Buchmesse verbandelt.


Die GastRolle ist übergeben: Adios Argentinien, willkommen Island

Oktober 10th, 2010 - 6:00 pm by Susanne

GastRollen-Übergabe Auszug

Die Staffelübergabe des Ehrengastes 2010 Argentinien an den Ehrengast 2011 Island heute Nachmittag im Forum war die letzte offizielle Veranstaltung der diesjährigen Buchmesse – und ein ganz besonderer Moment. Und auch ein kurzer, denn die Übergabe der GastRolle von der Direktorin des argentinischen Organisationskomitees, Magdalena Faillace, an Sigtryggur Magnason, den Aufsichtsratsvorsitzenden des isländischen Organisationskomitees, als solche war sehr schnell vorbei.

Die GastRolle, vielleicht weiß das nicht jeder, ist so etwas wie ein Staffelstab, der von Jahr zu Jahr weitergegeben wird – von Ehrengast zu Ehrengast.

Der Abschied des alten und das Willkommen des neuen Ehrengastes waren richtig schön. Gefeiert wurde der symbolische Akt mit einer Lesung, womit sich noch einmal bewahrheitete, dass der Gastland-Auftritt Argentiniens der literarischste seit langem war. Und ein sehr emotionaler, wie Juergen Boos, der Direktor der Frankfurter Buchmesse, zum Abschied betonte.

Für Argentinien las Juan Gelman, der seine Gedichte den argentinischen Dichtern widmete, die die im Kampf gegen die Militärdiktatur gefallen sind oder von den Militärs ermordet wurden.

Lust auf Island, seine Literatur, die auch der argentinische Dichter Jorge Luis Borges liebte und besang, machte der Doyen der isländischen Literatur Guðbergur Bergsson – der seinen eigens für die GastRollen-Übergabe geschrieben Text „Der Mann aus Patagonien“ vorlas.

„Literatur ist ein Teil der Isländer“, sagte Sigtryggur Magnason. Gelman nannte sie “verborgene” Literatur, die nicht nur Borges, sondern viele Argentinier fasziniere. Ich freue mich auf die Literatur des Landes, das vielen auch als mystisch gilt.


Lazy Sunny Afternoon

Oktober 10th, 2010 - 3:18 pm by Susanne

Ben Becker laid back

Die Agora sieht aus wie eine Sommerwiese, auf der die Menschen entspannt den Sonnenschein genießen, nur der Rasen fehlt. Aber auch die Steine sind warm und bei diesem tollen Wetter entspannen sich alle – einschließlich der Stars.

TV-Moderator Markus Lanz, zurück aus Grönland, schleckt genüßlich ein Eis, bevor er im Lesezelt auftritt. Ben Becker trinkt mit ein paar Kumpeln ein Bier an einem der Stände gegenüber dem mobilen ARD-Hörfunkstudio, wo er anschließend noch einen Termin hat. Er wird erkannt, klar, trotz Sonnenbrille und lässt sich gut gelaunt mit einer hübschen Brünetten fotrografieren – für deren Familienalbum versteht sich.

Auch “einfache” Buchmessebesucher kommen in Kontakt. Neben mir sitzen zwei Frauen, zwischen ihnen ein Behälter mit selbstgemachten Frikadellen. Plötzlich bleibt ein Jugendlicher stehen, fragt nett, ob er sich eine Frikadelle nehmen dürfe, die Frau nickt (etwas verblüfft), er bedankt sich und zieht kauend ab Richtung Halle 4 – Bücher und vielleicht auch Promis gucken.


Azubis schlagen Profis

Oktober 9th, 2010 - 2:52 pm by Susanne

Azubi Deborah Kehr darf nach Argentinien fliegen


Seit 2007 führt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zusammen mit der Frankfurter Buchmesse und dem jeweiligen Ehrengast einen Schaufensterwettbewerb durch. In diesem Jahr haben erstmals Auszubildende den Wettbewerb gewonnen und sich damit gegen mehr als 450 alte Hasen durchgesetzt.

„Wir haben und relativ spontan zusammengefunden“, erzählt mir Deborah Kehr, die in der Gutenberg-Buchhandlung in Mainz lernt. Zusammen mit ihren Mitstreitern Kathrin Nehm (Lehmanns Buchhandlung, Hannover), Sina Fontein (Buchhandlung Gillmeister Peine), Aranka Neufeld (Buchhandlung U. Neffen, Albstadt) und Marcus Lehmann Thalia Uni-Buchhandlung, Chemnitz) hat sie innerhalb einer Woche das nun preisgekrönte Argentinien-Schaufenster für die Campus Buchhandlung – Schulen des Buchhandels entworfen.

“Wir haben uns an einem Café Argentino orientiert“, sagt Kehr. Blickfang ist ein Tango-tanzendes Paar – die Pappfrau mit einen Rockaus echtem Tüll -, drum herum drapiert sind Bücher, Cds und DVDs zu Argentinien und von argentinischen Schriftstellern. „Uns war wichtig verschiedenen Medienformate zu zeigen“, sagt die Nachwuchsbuchhändlerin.

Stellvertretend für alle fünf nahm sie den Preis – eine Flugreise für 2 Personen nach Buenos Aires – heute mittag im Forum Zukunft in Halle 4.0 (D 1352)von dem Sonderbeauftragten der Republik Argentinien für die Buchmesse Frankfurt 2010, Guillermo F. Kreckler entgegen. nahm. Wer von den fünfen demnächst nach Argentinien fliegen wird, müssen die Azubis, die sich über den Mediencampus kennen, allerdings noch auswürfeln.


Kochen mit Léa Linster

Oktober 9th, 2010 - 2:20 pm by Susanne

Léa Linster zaubert ein Mango-Feuillantine mit Exotic-Soße

Haben Sie schon mal Mango-Feuillantine mit Exotic-Soße probiert? Nein? Ich auch nicht. Aber ich weiß jetzt, wie das Dessert zubereitet wird. Denn ich habe gerade Léa Linster in der Gourmet Gallery in Halle 3.1. (L 1709) dabei zugeschaut.

Und mit mir bestimmt hundert weitere Menschen. Denn Linster ist berühmt. Sogar ich kenne sie, obwohl Kochshows im Fernsehen so gar nicht meine Sache sind und ich auch „Tatort“ nicht schaue, wo die luxemburgische Starköchin in einer kleinen Rolle in den Saarbrücker Folgen auftritt (wie ich nachgelesen habe). Aber ich lese ab und an eine Frauenzeitschrift, in der die Gastronomie-Unternehmerin mit vielfältiger Medienpräsenz eine Kolumne hat.

Dass sie mit Kochen vor der Kamera und Publikum Erfahrung hat, merkt man ihr an. Mit Leichtigkeit unterhält sie die Zuschauer, während sie die hauchzarten Teigblättchen backt – zerbrochene Blättchen an Kinder zum Probieren verschenkt – Mascarpone und Zucker zu einer Creme verrührt eund so weiter bis das Mango-Feuillantine mit Exotic-Soße fertig ist.

Probieren konnte ich leider nicht, aber miterleben, wie Linster für ihre Kochkunst geehrt wurde. Von Edouard Cointreau, dem Gründer des Gourmand World Cookbook Awards, der ihr einen der Preise für ihr Kochbuch „Lea avec amour” überreichte – bei der offiziellen Preisverleihung hatte die Köchin nicht dabei sein können, die Frankfurter Buchmesse war aber ein ebenso würdiger Rahmen, mit den vielen Fans, die sie beklatschten.

Gekocht wird in der Gourmet Gallery noch bis morgen nachmittag. Nicht nur von Stars wie Léa Linster. Heute um 17 Uhr kochen Ziegenwirt Willi und Freundin Karola in der “Bauer sucht Frau”-Kochshow Leckeres vom Lande.


Starke Frauen

Oktober 9th, 2010 - 11:38 am by Susanne

Über die berührende Begegnung mit Ingrid Betancourt, der ehemaligen kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin, die mehr als sechs Jahre von Rebellen im Dschungel gefangen gehalten worden war, habe ich ja schon gestern geschrieben. Es war mich ein Buchmessen-Erlebnis, das bleiben wird.

Betancourt ist jedoch nicht die einzige Frau, die (nicht nur) mich in den vergangenen Tagen beeindruckte und die die menschliche Seite hinter all den Büchern und Geschäften zeigte.

Stehenden Applaus hatte es bereits für Elsa Oesterheld gegeben. Sie ist die Witwe des während der Militärdiktatur verschwundenen Schriftstellers Dr. Héctor Oesterheld und Mitbegründerin der „Mütter der Plaza de Mayo” und war bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse von der argentinischen Präsidentin Christina Fernández de Kirchner geehrt worden.

Eindrucksvoll war auch die Rede von Griselda Gambaro, die über 80-jährigen Grand Dame der argentinischen Literatur, am Eröffnungsabend gewesen. Gambaro, die während der Militärdiktatur selbst einige Jahre im Exil leben musste, hatte sich in ihrer Rede mit der (nicht käuflichen) Macht der (argentinischen) Schriftsteller beschäftigt, und dem, was sie antreibt. Bei ihrem eigenen Schreiben habe sich jeder Satz gegen die Ungerechtigkeit der Welt auflehnen wollen.
Wider Erwarten anrührend, war auch die Präsentation des Buches „Tapfer lieben”, das in dieser Woche in zehn Ländern parallel erschienen ist. Es gibt Einblicke in die innere Biografie von Marilyn Monroe, einer Frau, die sich, wie ihre persönlichen Aufzeichnungen zeigen, auf immer dünner werdenden Eis bewegte.

Die Entstehungsgeschichte des Buches, erzählt von Anna Strasberg, passt zu Hollywood, denn sie ist ebenfalls filmreif: Umjubelte Schauspielerin schreibt Tagebuch und verfasst Gedichte – leidenschaftlich und verzweifelt, selbstironisch und literarisch. Sie stirbt jung, unter dramatischen Umständen, ihr Nachlass geht über an ihren Schauspiellehrer (Lee Strasberg) und nach dessen Tod an seine junge Witwe (Anna). Diese räumt den Papierkram in Kartons weg, vergisst ihn und findet ihn Jahrzehnte später beim Aufräumen zufällig wieder. Sie ist erschüttert von dem Fund, der ein Blick in das Innerste des Stars gewährt, ebenso wie alle anderen, die mit den Gedichten und Aufzeichnungen in Berührung kommen und beschließt nach sorgfältigen Überlegungen, die Gedichte, Briefe und Notizen zu veröffentlichen.

Nun liegen sie vor und zeigen eine andere Seite der “Blondine”, die, wenn sie noch leben würde, heute vermutlich eine 84 Jahre alte Grand Dame der amerikanischen Filmindustrie wäre.


Eine bewegende Begegnung mit Ingrid Betancourt

Oktober 8th, 2010 - 7:04 pm by Susanne

Ihr Schicksal als Geisel hat damals die gesamte Welt bewegt.

Der ehemaligen kolumbianischen Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die 2002 von der linksgerichteten Rebellengruppe Farc entführt und erst sechseinhalb Jahre später befreit worden war, am Stand von Droemer Knaur gegenüber zu sitzen, ist nicht minder bewegend und die Begegnung mit ihr hinterlässt ein Gänsehautgefühl.

Es ist schwer, die Ausstrahlung dieser kleinen, schmalen Frau mit ihren sehr lebendigen braunen Augen, den feinen Gesichtszügen, in die sich das Erlebte ebenso fein eingeschrieben hat, und der ruhigen Stimme, mit der sie auf die Fragen antwortet, in Worte zu fassen. Sie wirkt auf eine Art sehr verletzlich, gleichzeitig aber auch stark.

„I am fine“, antwortet Betancourt auf die Frage, wie es ihr gehe. Was immer das für Betancourt heißt, denn einen “normalen Alltag” habe es für sie seit ihrer Befreiung noch nicht gegeben. Vielleicht jetzt, nach ihrem Buch „Même le silence a une fin“.

Auf Deutsch heißt es „Kein Schweigen, das nicht endet“ und sie berichtet darin über ihre Gefangenschaft im Dschungel Kolumbiens, was sie in diesen langen Jahren erlitten hat, wie sie versuchte zu fliehen und wie sie trotz allem überlebte.

Uns erzählt sie, dass sie manchmal, etwa bei bestimmten Gerüchen, Flashbacks bekommt, eine klassische Posttraumatische Belastungsstörung. „Der Körper reagiert.“ Auch falle es ihr schwer, jemanden zu vertrauen. Um so mehr ist ihre Offenheit zu schätzen und dass sie aus dem Interviewtermin eine echte menschliche Begegnung macht.

Das Interview mit Ingrid Betancourt ist im Buchmesse-Podcast zu hören. Live ist sie nochmal am morgigen Samstag, 10. 10. 2010, um 10 Uhr auf der ARD-Fernsehbühne zu erleben.


Von Angesicht zu Angesicht

Oktober 8th, 2010 - 3:27 pm by Susanne

Eingentlich hätte Annette Kast-Riedlinger es gar nicht nötig, Selbst-PR auf der Buchmesse zu betreiben. Immerhin hat sie mit ihrem Roman „Von nun an bitte ohne mich“ einen Bestseller-Erfolg gelandet.

Aber das ist schon viele Jahre her – obwohl ich ihren Namen sofort erkannt habe, als ich ihr in Halle 3.1. begegnete. Ein bisschen Werbung für ihren neuen Frauenroman “Liebling, ich kann auch anders” (Gmeiner Verlag) könne nicht schaden, zumal sie ohnehin auf der Buchmesse sei.

Außerdem sei es nett, Fans zu treffen, wie die Dame links im Bild. “Sie haben das geschrieben? Sehr interessant!” Die Autorin freute sich, beide plauderten, und Kast-Riedlinger konnte eine weitere nette Buchmesse-Begegnung verbuchen.