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Marifé Boix García

Marifé Boix García studierte Romanistik, Anglistik und Germanistik in Frankfurt und Madrid. Seit 1992 arbeitet sie bei der Frankfurter Buchmesse.

Als Teil der Geschäftsleitung ist sie verantwortlich für die Abteilung eServices und für die Region Süd Europa und Latein Amerika. Entsprechend gehört auch der Ehrengastauftritt von Argentinien zu ihren Aufgaben.


Eröffnung der 36. Feria del Libro de Buenos Aires

April 26th, 2010 - 11:04 pm by Marife

Opening Book FairAm Abend des 22. April wird nach zwei Fachbesuchertagen die 36. Buchmesse offiziell eröffnet. Es ist selbstverständlich, dass die Politiker sich diese Gelegenheit nicht nehmen lassen. Das wichtigste kulturelle Ereignis ist eine exzellente Bühne. Horacio Garcia, Präsident der Fundacion El Libro, Ausrichter der Messe, berichtet ueber die diesjährige Veranstaltung auf der 1.300 Aussteller ihre Bücher vorstellen. Garcia informiert über das umfangreiche Programm der Messe und hebt das Jahr des Bicentenario hervor. Argentinien sei Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und das Übersetzungsförderungsprogramm SUR, das im Rahmen des Projekts Frankfurt entstand, sei jetzt schon ein hervorzuhebender Erfolg.
Jorge Coscia, Kulturminister von Argentinien, sprach von der geplanten Einrichtung eines Instituto Nacional del Libro, eines Nationalinstituts für Bücher, das den Auftrag haben wird alle Aktivitäten der Buchbranche zu fördern.
Auch Coscia begrüßt die Ehrengastpräsenz in Frankfurt und lobt das Übersetzungsprojekt, das bisher die Unterstützung von rund 200 Übersetzungen ermöglicht hat.
Der Bildungsminister Alberto Sileoni erweitert die Liste der Feierlichkeiten in 2010: neben dem Bicentenario, ist auch die Mairevolution 200 Jahre her und die Nationalbibliothek wurde vor 200 Jahren gegründet.
Laut Sileoni hat das Ministerium den Verlagen seit 2003 rund 27 Millionen Schulbücher abgekauft – allein in diesem Jahr sind es schon 3 Millionen. Während er postuliert, dass 2012 jedes Kind einen Computer haben soll, unterstreicht er vehement, dass der PC nicht das Buch ersetzen wird. +book -faceDies sind erstaunlicherweise die einzigen Worte des Abends, die ansatzweise das Thema Digitalisierung streifen.
Mauricio Macri, Bürgermeister/Gouverneur der Stadt Buenos Aires, hat das Schlusswort, nach dem das blauweiße Band, das acht Männer halten, endlich durchtrennt und die Messe damit feierlich eröffnet wird.


Erster Messetag, Teil 2: Audienz bei CFK

April 24th, 2010 - 11:18 pm by Marife

 

Casa Rosada

Nach der Informationsveranstaltung über die argentinischen Aktivitäten im Rahmen von Frankfurt 2010 fahren wir mit der Chefin des Organisationskommittees und unserem Botschafter zur Casa Rosada. Wir haben eine Audienz bei Cristina Fernandez de Kirchner (deren Name hier ‘Cristina’ bzw. ‘CFK’ abgekuerzt wird).
Da wir mit einem Diplomatenauto kommen, sind die Sicherheitsmaßnahmen gleich Null. Ich hatte mir das wesentlich komplizierter vorgestellt. Bei der deutschen Botschaft muss man schon vor dem Haus alle elektronischen Geraete abgeben und den Personalausweis oder Pass vorzeigen.
Wir gehen die weisse Marmortreppe hoch und ich bestaune die riesigen Kronleuchter. Als ich das erste (und bis heute letzte) Mal hier war, wurde das Regierungsgebäude komplett saniert. Es war eine einzige
Baustelle mit Gerüsten und Plastikplanen. Damals hatten Juergen und ich Gelegenheit, auf den legendaeren Balkon zu treten, von dem Evita mal ihre Ansprache an das argentinische Volk gehalten hat.

Aufzug

Aufzug

In der ersten Etage biegen wir ab und ich sehe einen offenen Aufzug. Ob er noch funktioniert? Ein rotes Samtsofa ist eingebaut. Die Rückwand hat einen grossen Spiegel in der Mitte. Vielleicht ist es Evitas Aufzug und heute ein Ausstellungsstück?

Wir werden in einen Warteraum mit zwei Sofas geleitet, wo wir gerade einen Kaffee trinken als draussen der Hubschrauber landet. Leichte Verspätung, denke ich. Kann bei einer Präsidentin schon mal vorkommen. Wir sind die letzten Audienz-Anwärter des Tages. Wieviele es wohl vor uns gibt? Sitzt jede Gruppe in einem eigenen Raum?
Noch bevor ich den Kaffee fertiggetrunken habe, wird die Tür geoeffnet und wir werden hinausgebeten. Ich spüre meine Müdigkeit. Die fünf Stunden Zeitunterschied machen sich bemerkbar. Für meinen Körper ist es jetzt etwa 1.30 Uhr. Ich denke: gleich sehen wir die Präsidentin, dann bin ich wieder wach. Doch stattdessen werden wir in einen weiteren Raum geführt. Das scheint das Vorzimmer zu sein. Dort schwirren mindestens 20 Menschen herum. Ich frage mich wer sie sind und was sie hier tun. Jemand erklärt uns, dass das Begleiter von anderen sind, die bei CFK sitzen. Das muss dann wohl eine grössere Gruppe sein.
Hier treffen wir Aussenminister Taiana und Kulturminister Coscia, die uns beim anstehenden Termin begleiten werden.

Vorzimmer CFK

Aus einer hohen Tür kommen immer mal wieder Leute heraus und dann ist es endlich soweit, wir werden hineingebeten, durchgebeten (denn jetzt kommt erst das wirkliche Vorzimmer), durch zu Cristina, die jedem von uns lächelnd und freundlich die Hand drückt und uns an den grossen Tisch bittet.

Erstaunlich, wie wach, interessiert und redselig sie ist. Es wird über den Stand der Dinge gesprochen, über ihre Präsenz bei der Eröffnung der Buchmesse, über ihren Termin mit Angela Merkel, über Nofretete, die sie im Neuen Museum unbedingt besuchen möchte. Während sie uns alle einzeln anschaut, sind unsere Blicke komplett auf Cristina konzentriert. Die Zeit ist wie im Flug vergangen.


Erster Messetag, Teil 1: das Familientreffen

April 23rd, 2010 - 9:33 pm by Marife
Juergen und Mafalda

Juergen und Mafalda

Nach einer kurzen Orientierung am Stand gehen wir über die Messe und treffen vor dem einen oder anderen Messestand bekannte Gesichter.
Neben den vielen jungen und älteren argentischen Kollegen treffen wir auch brasilianische, chilenische und spanische Freunde. Einige haben wir das letzte Mal im November in Guadalajara gesehen; bei vielen ist es aber ein Jahr her – seit der letzten Messe in Buenos Aires.
Es ist wie ein Familientreffen.

Die Messe, die bis zum 10. Mai laeuft, steht unter dem Motto ‘Festeja con libros – 200 años de historias’ (Feiere mit Büchern – 200 Jahre Geschichten). Die Veranstaltung steht dieses Jahr ganz unter dem Zeichen des Bicentenario, den Feierlichkeiten von 200 Jahren Unabhängigkeit. Mehrere Verlage nehmen das Thema in ihren Ständen auf. Ausserdem gibt es einen grossen Stand der Regierung, der von Comic-Zeichnern gestaltet ist: unverkennbar sind einzelne Waende von REP oder freistehende Mafalda-Figuren von Quino.

Internationale Autoren sind angekündigt: u.a. Alessandro Baricco (Italien), Antonio Gamoneda und Enrique Vila-Matas (Spanien), John Katzenbach (USA) und Fernando Vallejo (Kolumbien).

Wahrend der Besuchertage ist die Messe zwischen 14 und 22 Uhr (Freitag und Samstag sogar bis 23 Uhr) für alle Interessierten geöffnet. Am 1. Mai werden die Besucher von 21 bis 1 Uhr nachts kostenlos auf die Messe gelassen. Auf dem Freigelände wird Caetano Veloso auftreten; schade, ihn hätte ich gerne live erlebt.


Buenos Aires, wir sind da.

April 22nd, 2010 - 3:34 pm by Marife

Gespannt fahren wir auf das Messegelände. Von der Plaza de Mayo, an der Casa Rosada vorbei. Der Taxifahrer moechte wissen wo wir herkommen und ob wir Touristen sind.

Er ist erstaunt, dass wir heute schon zur Buchmesse möchten. Diese Reaktion kenne ich von früheren Jahren: die Messe existiert für die ‘normale’ Bevöplkerung erst wenn die Publikumstage begonnen haben – ab der zweiten Woche der Buchmesse also, die erste ist für das Fachpublikum reserviert. Insgesamt kommen über 1 Million Besucher auf die Messe.

In der Zwischenzeit sind wir in Recoleta, dem schönen, französischsten Viertel angekommen.Früher war die Buchmesse hier, neben der Facultad de Derecho, bis das Gebäude nicht mehr groß genug war und es außerdem hineinregnete, wenn das Wetter entsprechend war. Nach einer Weile sehen wir La Rural. Heute ist es eines der wichtigsten Messegelände in Argentinien.Es existiert seit 1875 und wurde ursprünglich für die Vermarktung von Landwirtschaft und Viehzucht errichtet. Heute findet hier die Feria del Libro de Buenos Aires statt. Der Eingang an der Calle Cerviño ist in der Nähe unseres Standes im Pabellon Amarillo. Wir gehen geradeaus und dann links. Und da ist auch schon unser Stand. Jetzt kann es losgehen.


Abflug mit Tango im Ohr

April 21st, 2010 - 12:26 pm by Marife

Kurz vor dem Flughafen in Rom stehen wir im Stau. Juergen und Dieter entscheiden, nicht an der empfohlenen Ausfahrt rauszufahren. Wir wollen von der anderen Seite kommen und damit den Verkehr umgehen. Es klappt! Vor dem Flughafen ist es voll, war nicht anders zu erwarten.  Wir wollen einfach nur wissen, wo das Auto abgegeben werden kann und wo der Check-in von Aerolineas Argentinas ist. Ich laufe in der Halle wirr umhehr und suche das ‘i’ für “Information”. Gehe einem Wegweiser nach und erreiche eine Säule mit Bildschirm. Im Bildschirm ist ein Fenster, in dem ich mein Spiegelbild sehe – und nur das. Daneben steht die Aufforderung, auf den Bildschirm zu klicken. Das mache ich. Es wird eine Frau mit Telefonhörer sichtbar, die mir erklärt, was wir tun sollen. Nicht schlecht, die Idee - so ist sie den vielen Hektikern nicht ausgeliefert. Aber traut sich jeder, der eine Frage hat, an den Bildschirm? Ich laufe wieder aus der Halle. Wir müssen erstmal ein Stück weiter zu den ‘International Flights’. Wir packen alles aus und Juergen und Ruth fahren das Auto weg. Dieter und ich gehen mit allem Gepäck zum Schalter von Aerolineas. In 20 Minuten ist alles erledigt. Zu viert laufen wir  – immer noch ungläubig - durch die Kontrolle. Wir müssen noch etwas warten, können eine Stunde später als angekündigt boarden und sitzen dann gegen 19.30 Uhr endlich im Flugzeug. Mit dem Argentinier vor mir scherzen wir: ‘Jetzt müssen wir nur noch abfliegen’ und suche mir im Audiokanal einen Tango zur Entspannung.


Der Reise zweiter Teil

April 20th, 2010 - 1:19 pm by Marife
Espresso

Espresso

Die Kompaktdusche sieht gut aus, eine Mischung aus Duschkabine mit Whirlpool-Elementen. Lauter Knoepfe und Wasserausgaenge. Eine Armatur, die ON/OFF anzeigt, mit Tasten fuer Lautsprecher, Ventilator und weiteren Dingen…. Ich bin ein praktischer Mensch und kann auch einigermassen mit Technik umgehen, aber das ist zu viel am Morgen. Das Waschbecken muss reichen. Ich brauche jetzt ein espresso doppio, per favore.

Wir fruehstuecken schnell im gelben Fruehstuecksraum und machen uns wieder auf den Weg.
Vorher suchen wir das Ziel im Navi: wir muessen zum Flughafen Fiumicino. Zu finden sind nur Rom Ciampino und Rom Leonardo da Vinci. Wir lernen: Leonardo da Vinci und Fiumicino sind dasselbe.  (In Buenos Aires ist es auch so. Der Flughafen heisst Pistarini und jeder spricht von Ezeiza. Die Logik koennten die Argentinier von ihren italienischen Einwanderern uebernommen haben.)

Der Weg nach Rom ist holprig: die Autostrada wird ausgebessert -das hat sie auch noetig- und so wackeln wir nach Sueden vorbei an Modena.

Spaghetti

Spaghetti

In Arezzo fahren wir raus und finden ein Esslokal. Endlich italienisches Essen: Spaghetti aglio olio fuer alle (wir muessen schliesslich in einem Auto fahren) und danach den secondo al gusto. Anstelle des dolce tut es dann doch ein espresso.

Autostrada

Autostrada

Und weiter gehts. Schneller gehts.
Juergen faehrt gerne (schnell) lange Strecken.
Die Namen kennt man: Montepulciano, Orvieto und ploetzlich ist bereits das ersehnte gruene Schild E 35 ROMA zu sehen. Noch 100 km.


Adio Helvetia – Ciao Italia

April 20th, 2010 - 11:11 am by Marife

Wir halten an der letzten schweizer Raststaette, tanken und freuen uns schon auf italienisches Essen.
Enttauscht stellen wir fest, dass das Restaurant geschlossen ist. Ok, es ist auch schon 22.30 Uhr…. aber wir sind doch fast im Sueden! An der Theke haben wir die Wahl: vier halbe Pizza Margarita oder Panini. Wir nehmen beides, ausserdem acqua e spremuta. Und schweizer Schokolade muss sein… von Callier natuerlich, wie ich in St. Gallen von einem Schweizer gelernt habe.
Nach einer Zigarrette geht es weiter. Es sind noch etwa 200 km bis Lodi, wo wir uebernachten werden.

Hotel Lodi

Hotel Lodi

In Lodi schlafen wir im Hotel Lodi. Looodiiii. Die Dame vom Navigationssystem fuehrt uns im Kreis. An der vierten Ausfahrt nach rechts. Wir zaehlen mehrfach zu viert die Ausfahrten im Kreisel und sind dann doch mehrfach falsch. An einer Ecke sind alle Albergos genannt. Unser Hotel hat **** Sterne. Das Schild ist nach der Ausfahrt, die von der Dame empfohlen wird. Supertoll!
Nachdem wir unser Ziel erreichen, stehen wir vor einem trostlosen Hotel im Industriegebiet. Wie bekommt ein Hotel seine Sterne? Eine Frage fuer die Sendung mit der Maus. Erfreulich ist der nette Nachtportier. Er hat uns schon erwartet: mit Schluessel und TV-Fernbedienung fahren wir mit zwei Lifts in den 3. Stock.
Das Zimmer wurde in den 70ern eingerichtet. Gruene Moebel, die mich an mein Jugendzimmer erinnern. Eine supercoole runde Lampe, die an einer schwenkbaren Stange in einem Metallkreis haengt, ist das beste Stueck im Raum. Ich haenge mein Blackberry an das Ladegeraet und stelle den Wecker auf 7.30 Uhr. Buona notte!