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Albrecht Lempp: Sein zupackender Optimismus wird uns fehlen

Mit Bestürzung und großer Trauer haben wir die Nachricht vom plötzlichen Tod Albrecht Lempps aufgenommen. Er war mir und meinen Kolleginnen und Kollegen ein wichtiger Partner, wenn es um die deutsch-polnischen Literaturbeziehungen ging – und wir erinnern ihn als außerordentlich engagierten, herzlichen Menschen. Für die Frankfurter Buchmesse trat Lempp nicht nur als Übersetzer und Mitarbeiter des Deutschen Polen-Instituts in Erscheinung: Im Jahr 2000 arbeitete er eng mit uns zusammen als Leiter des „Zespól Literacki“, also des Organisationskomitees, welches den literarischen Teil des Gastlandauftritt Polens in Frankfurt verantwortete. Der Auftritt mit einem Fokus auf jüngeren zeitgenössischen Autoren – die bis dato in Deutschland unbekannt gewesen waren – wie Antoni Libera, Marek Bieńczyk, Anna Bolecka, Andrzej Stasiuk, Olga Tokarczuk, Magdalena Tulli, Witold Horwath war ein großer Erfolg und setzt auch heute noch Maßstäbe für die nachfolgenden Gastländer. Die Weiterführung des Übersetzungsfonds ©POLAND sowie die Gründung des Polnischen Buchinstituts, an der Albrecht Lempp beteiligt war, waren mit ausschlaggebend für den nachhaltigen Erfolg der polnischen Literatur im deutschsprachigen Raum, aber auch international.

Kennzeichen des Gastlandauftritts Polen 2000

Auch als Leiter der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit war Albrecht Lempps Engagement für die Literatur spürbar, und die Kooperation bei mehreren Projekten des Buchinformationszentrums Warschau und der Frankfurter Buchmesse ist für uns in sehr guter Erinnerung geblieben. Dazu zählte etwa ein Deutsch-Polnisches Verlegertreffen im Jahr 2006, bei dem sich Wissenschaftler, Lektoren, Autoren und Übersetzer im Deutschen Historischen Institut Warschau zum Thema „Deutsch-polnische Geschichte“ trafen. Beim Gastlandauftritt Deutschlands auf der Warschauer Internationalen Buchmesse 2006 bleibt unvergessen, wie Albrecht Lempp ein Gespräch zwischen Tadeusz Różewicz und Günter Grass am Deutschen Gemeinschaftsstand moderierte. Für alle, die dabei waren, war spürbar, wie der Raum vibrierte von Erinnerungen, von einer Leichtigkeit und Herzlichkeit, die die besten Momente im literarischen Austausch kennzeichnet.

Beziehungen sind immer geprägt von Menschen. Nicht anders verhält es sich, wenn es um die deutsch-polnischen Literaturbeziehungen geht. Albrecht Lempp war ein Mensch, der zwei Nachbarländer (in sich) verband, und der mit seinem zupackenden Optimismus vielen als Vorbild dient. Er wird uns fehlen, und unser besonderes Mitgefühl gilt seinen nächsten Angehörigen, aber auch seinen Kolleginnen, Kollegen und Freunden aus dem beruflichen und privaten Umfeld.

 

Albrecht Lempp (rechts) als Moderator bei einer Veranstaltung des Gastlandauftritts Polens 2000 auf der Frankfurter Buchmesse, gemeinsam mit Tadeusz Różewicz und Karl Dedecius.

 

 

 

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