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Barbie, Dein Spiegel und GEOlino – Kindermedien in Deutschland

Als ich im Rheinland aufwuchs, gab es im Kölner Stadt-Anzeiger zwar schon seit Generationen die Comics vom freundlichen Polizisten Oskar, und es wurden regelmäßig selbstgemalte Kinderbilder abgedruckt, doch das war es dann auch schon für die jungen Leser. Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre lasen wir „Micky Maus“, „Was ist Was“-Bücher über Dinosaurier, natürlich die Klassiker der Kinderliteratur und kamen dann irgendwann in das Alter, in dem wir Teenie-Zeitschriften wie die „Bravo“ oder „Mädchen“ kauften.

Heute sind die Kioskregale gefüllt mit bunten Magazinen für Heranwachsende jeden Alters. Rund 120 Tageszeitungen veröffentlichen meist wöchentlich Kinderseiten, außerdem gibt es über 200 Kindermagazine sowie 200 Jugendpublikationen. Nie hatte die junge Zielgruppe so viel eigenen Lesestoff: Von „Barbie“, dem Einhorn „Filly“, „Micky Maus“ und „Star Wars“ bis hin zu „Willi Wills Wissen“. Die meisten Hefte orientieren sich an den bekannten Marken und liefern, vom letzten Beispiel mal abgesehen, eher wenig erhellende Inhalte. Des Weiteren stehen in den Regalen die Ableger von etablierten Magazinen wie „Der Spiegel“ („Dein Spiegel“, seit 2009), „Die ZEIT“ („ZEIT Leo“, seit 2010) und GEO („GEOlino“).

Während Spiegel und ZEIT recht neu in das Segment eingestiegen sind, erscheint GEOlino bereits seit 1996, zunächst alle zwei Monate, seit 2001 dann monatlich. Zudem gründeten die Redaktion aus dem Hause Gruner + Jahr den monothematischen Ableger „GEOlino extra“ und seit 2009 das Erstleser-Magazin „GEOmini“ (für Kinder ab fünf Jahren).

Als ich vor zehn Jahren anfing, neben der klassischen Berichterstattung auch für den „Kinderspiegel“, die wöchentliche Seite in der Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ zu schreiben, musste ich anderen oft noch erklären, was Kinderreportagen eigentlich sind: Viele dachten, man würde für Erwachsene über Kinderprojekte schreiben oder fiktive Kurzgeschichten veröffentlichen. Also erklärte ich, dass es besondere Seiten für junge Leser gibt, die ihnen verständlich, anschaulich und unterhaltsam die Welt erklären.

Natürlich schreibt man auch hier in gewisser Weise über Kinder, aber eben für ihre Altersgruppe – und vor allem in ihrer Sprache. Wir erklärten zum Beispiel kindgerecht, was eine Supermacht ist, ob wir in Zukunft mit fliegenden Autos unterwegs sind, warum es überhaupt Geld gibt und wie der Alltag von Nomadenkinder aussieht. Die Welt für die junge Leser zu erklären, kann durchaus schwierig sein, schließlich kann man kein Vorwissen erwarten oder gar Fachbegriffe verwenden. Besonders herausfordernd war mal der Auftrag, während der Bundestagswahlen die politischen Parteien in jeweils vier Sätzen zu erklären.

Die Zielgruppe beim „Tagesspiegel“ sind Kinder ab sechs Jahre, andere Magazine beginnen ab acht – die Themen wiederholen sich mit der Zeit, doch da die Leserschaft mit zwölf oder 13 Jahren zu Teenie-Heften wie „Bravo“ abwandert, fällt das den meisten nicht weiter auf.

Während GEOlino ein Wissenschaftsmagazin ist, in der aktuellen Ausgabe ist der Aufmacher „Knochenarbeit – Wie unser Skelett uns schützt und stützt“, titelt „Dein Spiegel“ mit „Kinder müssen zu viel lernen – Was in der Schule schiefläuft“. Das Hamburger Magazin widmet sich auch stets aktuellen politischen Themen, und sie lassen Kinderreporter Politiker interviewen. Etwas, was „logo!“, die Kindernachrichten des ZDF, und etliche Magazine ebenfalls seit vielen Jahren machen. Die ZEIT verfügt über Rubriken wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Natur – die Titelgeschichte des aktuellen Heftes lautet „Spielen, Chatten, Surfen – Wie du im Internet den Durchblick behältst“.

Für Verleger ist der Markt der Kinder- und Jugendmedien lukrativ. So können sie schon die jungen Leser an ihre Marken binden, gleichzeitig wird auch das Lesen generell gefördert. Während die Kinder am Kiosk gerne zu den bunt glitzernden Heften mit den aufgeklebten, billigen Plastikspielzeugen greifen, kaufen die Eltern eher die hochwertigeren Magazine. Nicht selten kommt es vor, dass die Erwachsenen die Reportagen auch aus eigenem Interesse lesen, schließlich versuchen wir Journalisten stets, schwierige Sachverhalte unterhaltsam und einfach zu erklären.

Eine Kollegin und ich schrieben gemeinsam ein Länderlexikon, das sich an die Zielgruppe der zehn bis 14-Jährigen richtet. Einem Redakteur schenkte ich das Buch, eigentlich war es für seinen Sohn gedacht. Doch der Kollege behielt es in der Redaktion. Wenn er mal wieder schnell etwas über ein fernes Land recherchieren müsse, wäre das eine gute Anfangsquelle, verriet er mir. Ebenso gehe es ihm mit den Kindermagazinen.

Deren Verkaufszahlen sind in ständiger Bewegung, unter anderem durch die steigende Anzahl von Publikationen: Im dritten Quartal 2012 kommt GEOlino laut IVW auf ein verkaufte Auflage von rund 192.000 Exemplaren, Micky Maus auf 161.000, Filly auf 138.000 und Dein Spiegel auf knapp 80.000. (Eine anschauliche Aufstellung gibt es bei DWDL.de, die genaue IVW-Liste zu allen Kinderzeitschriften findet man  hier.) Der Klassiker GEOlino macht sich teilweise selbst Konkurrenz – durch das inzwischen sechs Mal im Jahr erscheinende „GEOlino extra“ und das monatliche Heft GEOmini.

Zunehmend tritt eine Sättigung am Markt ein; die ersten Magazine wurden vor wenigen Monaten bereits eingestellt. Zum Beispiel „mare aHoi!“, der Kinderableger von „mare“, und „Stern yuno“ (das Kinder- und Jugendmagazin vom Stern, Zielgruppe ab zehn Jahre).

Immerhin hat die junge Generation weiterhin viel Lesestoff und die klassischen Buchverlage somit ein ideale Plattform für ihre Veröffentlichungen. Schließlich werden auf den Kinderseiten stets die neuesten Bücher vorgestellt. Zudem gibt es im Fernsehen, Radio und Internet ebenfalls zahlreiche Formate, doch das wäre das Thema für einen weiteren Blogbeitrag.

PS: Der Vollständigkeit halber sollte ich erwähnen, dass ich auch mal Textredakteurin bei GEOlino war sowie zur Gruppe gehörte, die das GEOmini mit entwickelte.

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Start-ups

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