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Von Thunderbirds zu den Hobbits

Die beiden sind ihre beste Werbung: Richard Taylor mit Weta-Shirt und Martin Baynton mit WotWots-Shirt

In vier Wochen findet in Wellington die Weltpremiere von „Der Hobbit: Eine unerwartete Reise“ statt. Bevor sich seine Heimat in Mittelerde verwandelt, besuchte Richard Taylor, Creative Director von Weta Workshop, die Frankfurter Buchmesse. Gemeinsam mit seinen Kollegen und Freunden Greg Broadmore und Martin Baynton hielt er einen Vortrag auf der StoryDrive-Konferenz zum Thema „Über alle Kanäle: Vom Buch zum Film zum Game – und wieder zurück.“ Außerdem veranstaltete die Buchmesse in Zusammenarbeit mit Weta Workshop ein Hobbit-Cosplay.

Kurz vorher traf ich Richard Taylor in der Lobby seines Hotels zum Interview. Als wir gerade beginnen wollen, taucht zufällig Martin Baynton auf, über den wir bereits im aktuellen FAQ-Magazin und in diesen Blog berichteten. Spontan gesellt sich der Kinderbuchautor dazu; und so sprach ich mit beiden über die Bedeutung von Merchandising und Lizenzierungen – und über die Entwicklung der Filmindustrie in Neuseeland.

Herr Taylor, was haben Sie als Kind gesammelt?

Richard Taylor: Ich liebte „Thunderbirds“, „Action Man“ und die Comicfigur Rupert Bear. Mein zehnjähriger Sohn findet Rupert auch super. Rupert ist sehr interessant, denn er war der erste Zeitreisende. Mein Lieblingsspielzeug damals war das U-Boot Thunderbird 4, ich träumte davon, darin im tiefen Ozean Zeit zu verbringen.

Heute sind Sie Miteigentümer der Firmen Weta Workshop und Weta Ltd. Wie wichtig sind für Sie Merchandising und Lizenzierungen?

Taylor: Es ist vor allem ein Leidenschaftsprojekt. Ich bin selbst der zweitgrößte Sammler. Meine Garage ist gefüllt mit Schwertern, Modellen und Skulpturen. Ich glaube, ich habe rund 200 Objekte gesammelt – manche sind recht groß.

Martin Baynton: Vergiss nicht zu erzählen, dass einige davon auch in unserem Büro stehen…

Taylor: Oh ja, allein auf dem Weg zur Toilette spaziert man durch acht verschiedene Universen – wir haben Requisiten aus vielen Filmen an den Wänden hängen. Einmal ließen wir eine Dampfmaschine explodieren, die wir für einen Film kreiert hatten. Ich war so traurig, dass ich die Maschine nachher noch mal bauen ließ. Sie müssen wissen, ich bin ein großer Fan von Zügen.

Trotz all der Leidenschaft, es ist doch auch ein lukratives Geschäft, nicht wahr?

Taylor: Sicherlich. Wir wollen aber auch den vielen Mitarbeitern, die hinter den Kulissen arbeiten, eine Stimme geben. Sie können ihre Kunst durch die Kameralinse sehen, die Mitarbeiter selbst bleiben aber ansonsten im Verborgenen. Nun entwerfen sie Sammlerstücke, bauen Repliken von Filmrequisiten und veröffentlichen „Art of“-Bücher. In den letzten zwölf Jahren haben wir dieses unglaubliche Team aufgebaut, das unser Unternehmen unterstützt. Sie reisen um die Welt und tauschen sich voller Begeisterung mit den Fans jener Filme aus, die wir glücklicherweise umsetzen durften.

Der Tempel für Ihre Fans ist Weta Cave, die Weta-Höhle, eine Art Mini-Museum und Souvenirshop.

Gruselig: Gollum wartet schon auf die Besucher der Weta-Höhle (Foto: Weta)

Taylor: Weta Cave haben wir einst gegründet, weil jedes Jahr Hunderte Touristen vor unseren Studios warteten, in der Hoffnung, etwas von den aktuellen Dreharbeiten zu sehen. Mit dem Mini-Museum können wir den Fans einen Einblick in unsere Arbeit bei Weta geben. Wir bieten ihnen auch Sammlerstücke aus „Der Herr der Ringe“, Kleidung, Schmuck sowie Produkte von unseren eigenen Kreationen wie Greg Broadmores Welt „Dr. Grordbort’s“, außerdem DVDs, Plüschtiere und Bücher unserer Kinderserien „Jane and the Dragon“ und „The WotWots“.

Baynton: Als Richard und ich die Vorschul-TV-Serie „The WotWots“ entwickelten, investierten wir unser eigenes Geld, insgesamt 150.000 Neuseeland-Dollar (rund 100.000 Euro). Wir wollten in der Lage sein, die Sendung exakt so umzusetzen, wie wir sie uns vorstellten. Die Marke ist komplett in unseren Händen.

Richard: In der Tat. Nachdem wir einige Oscars und BAFTAs gewonnen hatten, sagten die Leute zu uns: Warum um alles in der Welt wollt ihr Kinderfernsehen machen? Doch wir finden, dass Kinder auch ein Recht auf gute Unterhaltung haben, wir wollten etwas von dauerhafter Qualität für die nächsten Generationen kreieren. Unsere Serie hat bereits mehrere Auszeichnungen auf der  Welt gewonnen – darauf sind wir sehr stolz.

„The Wotwots“ ist ein internationaler Erfolg, die  Serie wurde in über 100 Länder verkauft. Trotzdem gibt es bisher nur Plüschtiere als Merchandising-Produkte. Warum nicht mehr?

Baynton: Wir haben in einigen Ländern außerdem Publikationen, was uns sehr freut. Man muss bedenken, dass wir es hier mit einer anderen Zielgruppe zu tun haben. Kinder im Vorschulalter neigen nicht dazu, mehr als ein Spielzeug eines Charakters zu brauchen. Darüber hinaus bringen wir auf der Frankfurter Buchmesse ein E-Book von „The Wotwots“ heraus. Es konzentriert sich hauptsächlich auf die Geschichte, denn wir hatten das Gefühl, dass bei einigen E-Books die Geschichte durch all die Extras verloren geht. Das einzige Extra, das wir bei unserer Veröffentlichung haben, ist ein Erzähler, der einspringen kann, wenn gerade mal kein Erwachsener da ist, um den Kindern vorzulesen.

Ihre gemeinsame Firma Pukeko Pictures befindet sich innerhalb des Weta Workshops. Alle Studios und Unternehmen liegen nah beieinander in Miramar, einem Viertel von Wellington. Das klingt nach einer freundschaftlichen Atmosphäre und einer engen Gemeinschaft.

Fast wie zu Hause: Richard Taylor beim Hobbit-Cosplay inmitten von Gollum, Elben und etlichen Hobbits

Taylor: Seit über 25 Jahren sind wir wie ein Familienbetrieb. Wir Eigentümer wohnen nur zehn Autominuten vom Arbeitsplatz entfernt; und vom Büro aus können wir alle Miramar-Einrichtungen innerhalb von fünf Minuten erreichen. Während der Dreharbeiten zu „Der Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“ war das sehr vorteilhaft. In Los Angeles brauchen Sie manchmal eine Stunde, um ins Studio zu kommen. Die Filmindustrie kann sehr anstrengend sein, die Arbeitstage sind sehr lang, da ist es schön, nur ein paar Minuten von zu Hause und von unseren Lieben entfernt zu sein.

Baynton: Ich stimme Richard zu. Es ist eine harte Branche, aber es ist wunderbar, mit so vielen großartigen Menschen zusammenzuarbeiten. Unsere Firma wird von Enthusiasten geführt. Und ich glaube, das ist etwas, was man über die gesamte Filmindustrie in Miramar sagen kann.

 Als Peter Jackson und Sie, Richard Taylor, vor 25 Jahren in Miramar begannen, gab es keine große Filmindustrie in Neuseeland. Jetzt haben Sie die Tolkien-Filme gemacht, „King Kong“, „Die Abenteuer von Tim und Struppi“, außerdem ist James Cameron gerade nach Wellington gezogen, um hier auch die nächsten „Avatar“-Filme zu produzieren. Haben Sie keine Angst, dass die Filmbranche zu groß werden könnte?

Richard: Nein, Neuseeland hatte schon immer eine dynamische Filmindustrie und wir sind in die Fußstapfen einiger erstaunlicher Filmpioniere getreten.

Baynton: In Neuseeland selbst stehen die einzelnen Unternehmen nicht wirklich in Konkurrenz zueinander – das Land ist zu klein –, über die Jahre haben wir so etwas wie einen „Studio Neuseeland“-Ansatz für die Film- und Fernsehproduktionen entwickelt.

Ich weiß, dass Richard Taylor keine Fragen zum „Hobbit“ vor der Weltpremiere beantwortet. Aber was ist mit Ihnen, Herr Baynton, freuen Sie sich auf die neue Trilogie?

Einer der Topseller: Replik von Arwens Anhänger aus “Der Herr der Ringe” (Foto: Weta)

Martin: Ich bin sehr aufgeregt. Ich habe die Bücher immer geliebt und mit Ehrfurcht von der Seitenlinie aus all die erstaunliche Arbeit beobachtet, die in diesen ersten Film investiert wurde.

Ich bin mir sicher, dass es Tausende Fans gibt, die gerne Ihr Premierenticket erhalten würden. Herr Taylor, Sie sagten mal, dass Weta für die „Herr der Ringe“-Trilogie über 47.000 Requisiten hergestellt hat. Was passiert mit all den Sachen?

Einige Stücke sind in unserer Werkstatt ausgestellt oder befinden sich, wie Martin schon sagte, in meinem Büro. Nach all den Jahren im Filmgeschäft, füllen wir bereits mehrere Schiffscontainer mit unseren Requisiten. Wir haben nichts weggeworfen. Es ist unser Bestreben, dass wir dies eines Tages zur Freude der anderen ausstellen.

Fans Ihrer Arbeit können also eine Menge sehen und kaufen. Welches Merchandising-Produkt würden Sie gerne anbieten, wäre aber wahrscheinlich nicht erlaubt?

Taylor: Eine erschwingliche Maschine zum Klonen.

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