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Von blauen Mänteln und sexy Hauptstädten

Lloyd Jones ist einer der Stars der neuseeländischen Literaturszene – heute nimmt er noch mal um 12 Uhr auf dem blauen Sofa Platz, bevor es nächste Woche wieder zurück in die Heimat geht. Gerade ist sein Roman „Die Frau im blauen Mantel“ beim Rowohlt Verlag erschienen. Die Geschichte einer Frau auf der Suche nach ihrem Sohn spielt teilweise in Berlin.

Der 57-jährige Neuseeländer kennt Deutschland sehr gut, schließlich erhielt er 2007 das Stipendium für die Creative New Zealand Berlin Writers’ Residency. Ein Jahr lang lebte er in derselben gemütlichen Wohnung im Stadtteil Friedrichshain, in der auch Kate Camp bis vor wenigen Tagen ihre Berlin-Zeit verbrachte. Beide sind angetan von der Hauptstadt. „Berlin ist arm, aber sexy“, lautet ein Slogan, den der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit einst prägte, und dem auch Jones zustimmt. Er erinnert sich gerne an seine Zeit dort – die Spaziergänge rund um den Schlachtensee, den Volkspark Friedrichshain, die Cafés in Kreuzberg und die vielen Radfahrwege an den Kanälen.

Im Vorfeld traf ich den Schriftsteller bei einem Abendessen in Wellington, zu dem seine Kollegin Elizabeth Knox und ihr Mann Fergus Barrowman (der Verleger von Victoria University Press) eingeladen hatten. Mit dabei waren unter anderem die Autoren Bill Manhire, Damien Wilkins und Kate de Goldi. Sie alle kennen sich schon sehr lange; Manhire ist sogar ein direkter Nachbar. „Er kann von seiner Küche aus direkt in mein Schlafzimmer schauen“, erzählt Jones, „ich muss also immer mein Bett machen, bevor ich die Fensterläden hochziehe.“

Autorentreffen im Haus von Elizabeth Knox: Lloyd Jones und die Gastgeberin

Jones würde die Literaturszene in Wellington nicht wirklich als einen Club bezeichnen, aber sie besuchen sich schon gegenseitig bei Buchpremieren und Lesungen. Vor kurzem feierte die Verfilmung von „Mister Pip“ auf dem Filmfestival in Toronto Premiere. Mit diesem Roman, der ebenfalls in deutscher Übersetzung bei Rowohlt erschienen ist, wurde der Neuseeländer einst international bekannt.Die Hauptrolle spielt Hugh Laurie („Dr. House“). „Ich bin sehr glücklich mit dem Film“, sagt Jones, „Und muss es auch sein, schließlich war ich der Script Consultant.“ Der Drehbuchautor und Regisseur Andrew Adamson habe sein ganze Herz und seine Seele in den Film gesteckt. Kalkuliert man heute als Autor schon die Verfilmung der Werke ein? „Ich weiß nicht, ob es Schriftsteller gibt, die dies als eine Priorität ansehen. Mir kommt es jedenfalls nie in den Sinn, wenn ich an einem Buch schreibe. Absolut nie.“

Trotzdem hätte er sicherlich nichts dagegen, wenn auch „Die Frau im blauen Mantel“ eines Tages verfilmt würde. Bis dahin bleibt ja noch der spannende Roman. Auch bei „Mister Pip“ hofft er, dass die Menschen sich danach wieder dem Buch zuwenden.

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