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Tackle-Alarm in Frankfurt

Glaubt man Kevin Chapman, so ist Rugby eine Art Religion. Der Verleger und Präsident der Publishers Association gehört zu jenen Neuseeländern, die große Fans des Nationalsports sind. Er hat sogar mehrere Bücher zum Thema herausgebracht. Meist ist Chapman ein sehr entspannter Kiwi, doch wenn er im Stadion sitzt, bricht es aus ihm heraus: er jubelt, er flucht lautstark und wird – wie die meisten Zuschauer – zum Trainer.

Während meiner Zeit Down Under nutzte der Verleger seine Kontakte, um mir ein Interview mit einem Spieler der „All Blacks“, so heißt das Nationalteam, zu organisieren. Cory Jane ist 29 Jahre alt, er spielt Rugby seit er laufen kann und ist ein großer Fan von Twitter, was ihm während der Weltmeisterschaft 2011 Ärger einbrachte hat, weil er kurz vor den wichtigen Matches von abendlichen Feiern mit seinen Teamkollegen berichtete.

Wir treffen uns am Wellingtoner Flughafen in einer ruhigen Lounge, Cory muss gleich nach Auckland. An seiner linken Oberlippe hat er eine Wunde, die mit mehreren Stichen genäht werden musste. „Ach, das ist doch gar nichts“, sagt er, „das war nur ein kleiner Angriff“. Auf Englisch: tackle. Im Rugby wird ständig gerempelt, gestoßen – es ist eben kein Sport für Weicheier.

„Als ich sechs Jahre alt war, sagte ich zum meinem Lehrer, dass ich eines Tages ein All Blacks sein werde“, erinnert sich Jane. Sein Lehrer nahm ihn nicht ernst; heute ist Jane einer der Nationalhelden seiner Heimat. Die All Blacks sind inzwischen eine weltbekannte Marke, bis vor wenigen Wochen hing an einem Hang in Wellington ein riesiges Schild, das dem berühmten Hollywood-Schild ähnelt.

„Rugby ist für mich aber keine Religion, sondern eher eine Kultur“, sagt der 29-Jährige. Dazu gehört auch der Haka-Tanz, den das Nationalteam vor jedem Spiel aufführt, um den Gegner einzuschüchtern und weil es Teil des Rituals ist –ähnlich wie die Nationalhymne. Bei der Hymne singt Cory nie mit, erzählt er, beim Haka jedoch zeigt er seine ganze Kraft.

Auch in Deutschland gibt es einige Rugby-Vereine, im Sport-Club Frankfurt 1880 spielt heute um 15 Uhr die deutsche Nationalmannschaft gegen die New Zealand Ambassador’s. Letztere sind eine Auswahl von neuseeländischen Spielern, die in europäischen Vereinen spielen. Bereits im Vorfeld wurde gestern Abend ein Hangi, ein traditionelles Maori-Essen, zubereitet. Dafür wurde ein großes Loch in die Erde gebuddelt, Steine erhitzt und darauf das Schweine- und Hühnchenfleisch sowie Kartoffeln gekocht. Die Kochstätte ähnelte ein bisschen einem großem dampfenden Grab. Einmal ausgegraben, wurde das Essen  in einem Buffet serviert.

Nach dem Essen las der neuseeländische Autor Carl Nixon Passagen aus seinem Roman „Rocking Horse Road“ vor, der vor wenigen Wochen beim Weidle Verlag auf Deutsch erschienen ist. Nixon beschreibt darin unter anderem die Springbok-Tour von 1981, bei der es erstmals zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen der neuseeländischen Polizei und Demonstranten kam. Es geht in dem Roman aber auch um die positive Leidenschaft für den Nationalsport.

Rund 120 Gäste kamen zum Hangi in den Sportclub des SC Frankfurt 1880, einer von ihnen war auch Alan Duff. Der Autor ist ebenfalls ein bekennender Rugby-Fan. Was hält er eigentlich von Cory Jane? Alan Duff macht eine theatralische Pause, verzieht keine Mine und sagt dann: „Wenn er zu mir kommen würde und meine Tochter heiraten wollte, würde ich sagen: Willkommen in der Familie, mein Sohn.“

Kategorien:
Ehrengast

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