Frankfurter Buchmesse
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Geklebte Gedichte auf der Durchreise

You travel on a ship, that is the world

a ship with square windows, with rectangle windows 

 

in one there is a man with a box of spring onion

she is deep below the ocean, perhaps


he is a chef, working on the ocean floor.

 

Diese Zeilen schrieb Kate Camp gestern Morgen. Für eine Dichterin kann alles eine Inspiration sein – ein Mann, der mit einer Kiste Frühlingszwiebeln im Fenster zu sehen ist, oder ein Kind, das neugierig stehen bleibt und zuschaut. Die neuseeländische Dichterin hat sich während der diesjährigen Buchmesse mit den Tape-Art-Künstlern Erica Duthie and Struan Ashby zusammengeschlossen, um noch bis Sonntag die Außenfassade der Frankfurter Zentralbibliothek täglich neu zu gestalten.

Blaue Linien ranken nun entlang der Hauswand. Aus ganz normalem blauen Klebeband zaubert das Duo kunstvoll geschwungene Wellen, filigrane Menschen und Glocken. Man sieht dort auch Kate, wie sie in einem Bett sitzend über die Wellen reitet, als wäre sie ein Kapitän auf hoher See. Wohin geht die Reise? Im Wasser treibt eine Kiste mit Frühlingszwiebeln, später klatschen die Wellen an Land, wo eine Frau und ein Mann stehen. Ein Kind hält die Hand ans Ohr und lauscht.

 

You can hold your hand up to your ear and hear the ocean


you don’t need a shell. You yourself have come up


from the ocean floor.

 

If the ocean has a floor, does it have a roof, too?


Is that what this place, this continent is, something taking place


on the roof of the ocean?

 

Kate Camp ist selbst gerade auf der Durchreise. Ein Jahr lang lebte sie dank eines Stipendiums in der deutschen Hauptstadt, dort gibt es die Creative New Zealand Berlin Writers’ Residency. Die Zeit war für die Dichterin sehr besonders. „Ich habe ein ganzes Buch voller Gedichte geschrieben“, sagt sie. Normalerweise brauche sie drei oder vier Jahre dafür, natürlich auch, weil sie dann noch andere Jobs nebenbei hat. In Berlin lernte Kate sehr gut Deutsch. „Dadurch verändert sich auch mein Blick auf das Englische“, sagt die 40-jährige Autorin. „Ich kann meine Muttersprache nun zusätzlich von außen betrachten.“

Vor ihr bekamen schon Schriftsteller wie Sarah Quigley und Lloyd Jones, die derzeit ebenfalls auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast sind, das Stipendium. Quigley blieb in Berlin, Jones zieht es immer wieder dorthin. Berlin ist ohnehin seit Jahren bei Künstlern aus aller Welt beliebt. Sicherlich würde das „Tape Art Poetry“-Projekt in der deutschen Hauptstadt ebenfalls gut ankommen.

Es ist das erste Mal, dass die drei Neuseeländer eine derartige Kooperation wagen: Die Tape-Art-Künstler arbeiten nie mit Worten, Kate selbst zeichnet nie Bilder – zwei verschiedene Welten, die sich offensichtlich gut verstehen. Und wer weiß, wo ihre Tagträume sie heute hinführen?

Kate Camps Koffer sind gepackt, von Frankfurt aus fliegt sie nächste Woche zurück in ihre Heimat, bis dahin könnt Ihr hier ihre Gedichte und einige Tape-Bilder sehe. Jeden Tag entstehen dabei komplett neue Gedichte und Bilder. Es lohnt sich also, gleich mehrmals vorbeizugehen. Kate Camp wird von 16.00 bis 17.30 Uhr in oder vor der Bibliothek in der Hasengasse 4 dichten, die Tape-Künstler sind die ganze Zeit vor Ort. Und wer weiß, vielleicht kommt Ihr ja im nächsten Bild oder Gedicht vor?

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