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Buchmessen-Impressionen: Der Mittwoch auf dem Weltempfang

Juergen Boos im Weltempfang.

Noch kann man sich durch die Gänge bewegen, die Besucher tasten sich langsamen durch die Hallen, sind aufnahmebereit. Noch ist die Luft gut.

Neuseeland präsentiert sich mit einer zauberhaften Installation. Über einem künstlichen Meer, vollmondbeschienen, schwebt die Insel des diesjährigen Gastlandes. In kleinen Bücherhöhlen hängen Bücher an Schlingen von der Decke, auf gigantischen Leinwänden flirrt der Mythos der Maori: Die Trennung von Himmel und Erde. Fast genauso schön, das Aral des Weltempfangs. Strahlend in rot und weiß.

B. Müller und das “Vesperbrettchen”

Bei der Verleihung der Übersetzerbarke rühmt Luis Ruby den Preisträger Burkhard Müller als einzigen wirklichen Übersetzungskritiker im deutschen Feuilleton. Müller: „Wer sich nie ernsthaft mit den Grenzen und unendlichen Spielräumen der literarischen Übersetzung auseinandergesetzt hat, verbleibt auf ewig im Zustand der literarischen Unschuld.“ Die Auszeichnung, die er entgegennimmt (ein Preisgeld gibt es nicht), ist ein eigens angefertigtes Kunstwerk von einem Künstler, dessen Namen Herr Ruby zu schnell sagt, um es aufzuschreiben. Als Müller das Ding dem Publikum präsentiert, höre ich hinter mir unverwechselbar die Stimme von Denis Scheck: „Viele wissen ja nicht, dass die Übersetzerbarke eigentlich ein Vesperbrettchen ist.“

Albrecht Koschorke, der seine Anthologie „Despoten dichten“ vorstellt, ist das intellektuelle Bonbon des Tages. Er erklärt das alte Dogma der Literaturwissenschaft, dass Fiktion und Realität fein säuberlich zu trennen sind und der Autor sowieso für den Text tot ist, für überholt. Die dichten Despoten verkehren das alte surrealistische Kredo, dass die Kunst in das Leben eindringen soll, zu einem organisierten Amoklauf. Einfachster Akt der diktatorischen Avantgarde: Einen Revolver in die Hand zu nehmen und auf offener Straße das Feuer zu eröffnen. Wo hört die Avantgarde auf, wann wird das lyrische Phantasma zum Terror? Koschorke räumt auf mit dem Bild der „unschuldigen“, weltabgewandten Poesie. Stattdessen fragt die „vergleichende Diktatorologie“ nach der Schuld der Kunst. Stefan Weidner brilliert in der Gesprächsrunde durch klugen Wortwitz und messerscharfe Analysen. So zum grottenschlechten Hocharabisch des dichten Diktators Gaddafi. Oder mit der Anekdote, dass gerade Ajatollah Khomeini, der hedonephobe Richter aller Sinnenfreuden, einen Gedichtband geschrieben hat, in dem er die panegyrischen Verse Hafis’ nachahmt. Der Revolutionsführer dichtete über Wein, Weib und Gesang.

Chirikure Chirikure trägt Gedichte vor

Zur offiziellen Eröffnung des Weltempfangs sprechen Dr. Anna Prinz vom Auswärtigen Amt und natürlich der omnipräsente Jürgen Boos, der scheinbar an drei Orten zugleich sein kann. Aber gerade deswegen klingt es nicht falsch, sondern wunderbar ehrlich, wenn er unumwunden sagt: „Für mich ist der Weltempfang das Herz dieser Messe, der Ort wo wir uns begegnen.“

Verpassen Sie heute auf keinen Fall:

Die Verleger-Legende Egon Ammann im Gespräch mit türkischen Autoren.

Der Gläserner Übersetzer Thomas Gunkel arbeitet vor Ort an einem Krimi und beantwortet dabei Fragen.

Der Pen International lädt zu einer Veranstaltung über Autoren in Weißrussland.

Und schließlich stellt Uda Strätling ihre Neuübersetzung von Chinua Achebes Klassiker „Things fall apart“ vor.

 

Zum Terminplan geht es hier.

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