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- Bloomsbury launches e-book only imprint | The Bookseller http://t.co/gNxoqvU4KU #fbm13 kids about 19 hours ago from Tweet Button ReplyRetweetFavorite
Vor allem wird eine Menge geboten: Lesungen und Diskussionen zu Literatur, Politik und Geschichte. Dazu Theater, Tanz, Film und Musik, Ausstellungen, Installationen und Performances bis hin zu Fachkongressen und Volkshochschulkursen. Und ein kleiner Teil davon lässt sich hier im Blog mitverfolgen, mitgeteilt aus der Sicht von Literaten & Landeskundigen
.Der Herr im Anzug und mit der schicken Melone wirkt wie aus einer anderen Zeit entsprungen. „Willkommen in Janet Frames Heimat“, sagt Ralph Sherwood und verbeugt sich leicht bei der Begrüßung. Dann führt er mich durch Omaru, eine Kleinstadt an der Ostküste der Südinsel. Hier wuchs die später weltbekannte Schriftstellerin auf, hier schrieb sie ihre ersten Gedichte. Frame hatte ein bewegtes und teilweise tragisches Leben, das fast berühmter wurde als ihre literarischen Arbeiten selbst. Sie verbrachte zum Beispiel viele Jahre in einer Psychiatrie und entkam nur knapp einer riskanten Gehirnoperation.
Die rothaarige Frame war das jüngste von fünf Kindern, von 1931 bis 1946 lebte die Familie in der Eden Street 56. Heute ist das einstöckige Wohnhaus im Sommer für Besucher geöffnet, Ralph Sherwood ist der Kurator. „Das Haus ist aber kein Museum, es ist vielmehr eine Erinnerung der Wahrheit“, sagt er und zwirbelt an seinem weißen Bart. „Früher war es innen dunkler und kälter.“ Janet Frame selbst half noch mit, ihr altes Zuhause wieder so herzurichten, wie es einst war.
2003, ein Jahr vor ihrem Tod, wurde es eröffnet. Auch wenn die meisten Möbel nachgekauft wurden, so kommen einem im Kinderzimmer sofort die Filmszenen aus „An Angel at My Table“ in den Sinn, wo die Geschwister stets dicht gedrängt in einem Bett schliefen. Der gemütlichste Ort ist die Küche, neben dem großen Herd saß die junge Frame häufig und las Bücher. Trotz ihrer armen Verhältnisse hatte sie zunächst eine schöne Kindheit, die jedoch durch den Tod zweier ihrer Schwestern überschattet wurde.
Rund 500 Besucher kommen jährlich in die Eden Street, so hat jeder die Chance, in Janet Frames Kindheit einzutauchen. Autoren und andere Gäste sind willkommen, länger zu verweilen. An diesem Nachmittag diskutiert eine Frau um die 60 gerade mit Sherwood über ihre Erinnerungen an die preisgekrönte Autorin, deren Bücher sie alle gelesen hat.
Auch die neuseeländische Dichterin Kate Camp ist mit Frames Arbeiten vertraut, sie veranstaltete hier in Omaru sogar mal einen Workshop. „Ich verehre besonders den ersten Teil ihrer Autobiografie ‘To the Is-Land’“, sagt Kamp, „es ist das eine neuseeländische Buch, dass ich jedem empfehlen würde, zu lesen. Ihr Blick für Details, ihre Liebe zur Sprache, ihr schlauer Humor und die Art, wie sie sich an ihre Kindheit erinnert, sind einfach fantastisch.“ Kamp liebte es, im Jugendhaus von Frame zu sein. Nicht nur weil sie viele Orte wiedererkannte, sondern auch, weil dieses gewöhnliche Haus zugleich ein Gefühl vom gewöhnlichen Leben in Neuseeland gibt. „Die Eden Street ist sehr ruhig, sehr banal. Und von diesem Ort kamen jene Werke mit all ihrer Kraft“, sagt Camp. Auch sie bezauberte der Charme von Ralph Sherwood, der Besucher kenntnisreich durch Janet Frames Haus und Leben führt. So erfolgreich sie später beruflich auch war, in der Liebe fand sie nicht ihr Glück. „Die beste Beziehungen hatte Frame zu schwulen Männern“, sagt Sherwood, er lächelt und fügt dann hinzu, „ähnlich wie Elizabeth Taylor“.
Zeitweise lebte die damals junge Frame in einem kleinen Gartenhaus bei Frank Sargeson. Der schwule Autor gilt ebenfalls als einer der Klassiker der neuseeländischen Literatur. Sein Haus in Devonport, einem Vorort von Auckland, sieht heute noch genauso aus wie früher. Nur Frames Häuschen, in dem sie einst ihren ersten Roman „Wenn Eulen schrein“ fertiggstellte, gehört heute zu einem anderen Grundstück. Die Autorin Sue Orr besitzt einen Schlüssel zum Haus, das allgemein nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Die Einrichtung ist exakt wie zu Sargesons Zeiten, es riecht muffig, ist modrig. Man könnte meinen, der Autor würde jeden Moment zurückkommen, auf dem Küchentisch liegt seine Pfeife und steht eine Saftflasche. Neben Sargesons Bett thront die alte Schreibmaschine, im Wohnzimmer stapeln sich die Bücher. „Frank Sargeson hat Kurzgeschichten gesammelt“, sagt Orr.
Short Stories, Kurzgeschichten, spielen in der angelsächsischen Literatur eine große Rolle. Auch viele heutige Autoren fangen zunächst mit den kurzen Erzählungen an, bevor sie Romane verfassen. So war es bei Sue Orr. Wie viele ist sie geprägt von Katherine Mansfield.
Die gebürtige Neuseeländerin prägte das Short-Story-Genre, emigrierte später nach England und feierte weltweit Erfolge. Etliche Schriftsteller haben das nach ihr benannte Stipendium Mansfield Fellowship im französischen Menton erhalten, dort wohnte Mansfield einst. Auch Lloyd Jones bekam 1988 das Stipendium. „Die Zeit in Menton war etwas Besonderes. Ich war noch sehr jung, als ich damit ausgezeichnet wurde.“ Es machte ihm Mut und bestärkte den Glauben an sein Talent. Persönlich hatte Janet Frame aber einen größeren Einfluss auf ihn als Mansfield.
Jones Kollegin Kate de Goldi wurde mit dem Katherine Mansfield Memorial Award für ihre Kurzgeschichten ausgezeichnet. Für die Neuseeländerin mit den italienischen Wurzeln ist dies bis heute eine große Ehre. De Goldi selbst wurde in jungen Jahren eher durch die angloamerikanische und britische Literatur geprägt, sagt sie, die Klassiker entdeckte sie vor allem während ihres Studiums in ihren Zwanzigern. „Mansfield hat durch ihre Werke Neuseeland ins Bewusstsein gebracht“, sagt de Goldi. Sie ist also quasi die Mutter aller Kiwi-Literaten.
Wer mehr über die Klassiker erfahren möchte, sollte am Donnerstag um 11 Uhr in den Ehrengast-Pavillon kommen. Dort diskutiert Kate de Goldi gemeinsam mit Kollegen über die drei Ikonen der neuseeländischen Literatur.
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