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Netzwerkerei

Mein Name ist Jannis Plastargias, viele kennen mich auch unter meinem Blognamen „Schmerzwach“, unter dem ich seit Ende 2009 fast täglich etwas ins Internet puste. 2011 ist mein erster Roman veröffentlicht worden, weitere Veröffentlichungen folgten dieses Jahr. Ich schreibe wie ein Wilder, organisiere für mich und andere Lese-Veranstaltungen, beschäftige mich mit der Zukunft des Buches, lese alles, was es darüber zu wissen gibt, gehe auf Buchcamps, ich netzwerke wie um mein Leben – und doch bin ich noch nicht so weit, noch weiß ich nicht, wie man heutzutage sich und seine kreativen Kompetenzen vermarktet …

 

Jannis Plastargias

Vielleicht waren die erfolgreichsten Künstler immer schon die besseren Geschäftsmänner und/oder Netzwerker …

Gerne hat man ja das Bild von Carl Spitzweg im Kopf: Der arme Poet – ein Klischee, das in unserer Zunft keines ist. Fakt 1: Immer schon konnte sich nur eine Minderheit das Literatenleben leisten. Fakt 2: Immer schon gab es ein paar Ausnahme-Könner, die sich gut verkaufen konnten und mit ihrer Kunst zu Reichtum kamen (oder zumindest so viel verdienten, dass sie davon leben konnten).

„Was ist dein Geschäftsmodell?“ werde ich gefragt. Früher dachte ich, es sei schon damit getan, einen Verlag zu finden, ein oder zwei Bücher zu veröffentlichen, ein paar Lesungen zu machen, ein paar Rezensionen in Zeitungen zu kriegen. Dann vielleicht mit diesen erreichten Zielen protzen und an Stipendien kommen. Da lag ich richtig falsch! Als ich nicht mehr ganz so jung war, stellte ich fest: Du musst eine bestimmte Schreibe haben, um „dem Literaturbetrieb“ zu gefallen. Nur so kriegst du ein Stipendium, nur so schaffst du es in Literaturzeitschriften, nur so erhältst du Preise – und nur so entdeckt dich ein Verlag. Ein großer, renommierter Verlag. Und nur wenn du glücklicherweise das richtige Romansujet ausgesucht hat, hast du die Chance, ein A-Autor und von deinem Verlag unterstützt zu werden. Ich schreibe aber nicht so, wie es dieser „Literaturbetrieb“ möchte, diese „niveauvollen Literaturzeitschriften“ möchten meine Texte nicht, die großen Verlage möchten meine Texte nicht. Ich bin ein kleines Licht. Ich habe keinen Namen. Vielleicht kann ich auch nichts …

Was war also mein Weg? Ein Autor möchte Leser, möglichst viele Leser. Also, begann ich einen Blog. Doch wie komme ich zu Lesern? Das Ding fliegt ja irgendwo im Netz herum, und wenn ich es nur Freunden zeigen möchte, dann hätte ich die Texte ausdrucken und ihnen so in die Hände drücken können. Also muss ein Twitter-Account her. Bis ich die Funktionsweise kapiert hatte, war ein Vierteljahr vergangen. Twitter alleine bringt aber nichts, das wusste ich sofort, also verbrachte ich fortan mehr Zeit auf Facebook, das ich bis dahin gar nicht genutzt hatte. Learning by doing. Ich hatte keine Ahnung von Social Media. Aber ich begann damit zu experimentieren, lernte schnell, dass ich meine Links mit bit.ly (oder anderen solchen Programmen) verkürzen muss, lernte, dass ich wie ein Marketer denken  musste. Meine Postings in den schönsten Worten anpreisen. Trotzdem kurz und prägnant. Das war nicht leicht!

So begann alles, doch so vieles kam dazu. Fanpages auf Facebook erstellen und täglich überlegen, wie man die „Fans“ füttern kann. Womit? Was interessiert sie? Welchen Service hätten sie gerne von dir? Und wann ist der schmale Grat überschritten und die Leute halten dich für einen Spammer? Google + kam dazu. Erst einmal verstehen, wie das funktioniert. Ein Muss alleine deswegen, weil ich ja im Blog auch mit einem Google-Tool arbeite. Und Google + mich erst recht hoch rutschen lässt im Ranking.
Wieso hast du eigentlich keine eigene Homepage? werde ich gefragt, und ich sage: DAS auch noch? Nein, ich habe mit meiner Autorengruppe eine gemeinsame Homepage.

Wie schaut es mit Pinterest aus? Ja, selbstverständlich habe ich dort ein paar Boards kreiert, auch für meine Bücher, versteht sich von selbst. Ich habe außerdem eine digitale Visitenkarte bei about.me, bin in diversen Foren, was ein MEME ist, weiß ich auch, ich bin wohl in allen relevanten Facebook-Gruppen mit dabei, ja, und mein Punktwert bei klout ist gar nicht so niedrig, immerhin bin ich ein „Broadcaster“. Und? Läuft es mit dem Geld? werde ich gefragt. Nein, antworte ich, aber netzwerken klappt schon ganz gut …

 

Jannis Plastargias, Faust-Kultur

www.faust-kultur.de

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