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All Age: Bücher von 0 bis 99?

Ach was war das damals schön, als es noch die Kategorien Kinder- und Jugendbuch gab, bestenfalls mit den unscheinbaren Pünktchen (ab 6 = 1 Punkt; ab 8 = 2 Punkte; ab 10 = 3 Punkte; ab 12 = 4 Punkte) auf dem Buchrücken versehen, die zumindest dem Buchhändler und vielleicht auch manchem Käufer signalisierten, für welches Alter dieses Buch nun gedacht sei.

Mittlerweile ist diese Kennzeichnung bei vielen Verlagen verschwunden und zudem macht eine (nicht mehr ganz neue) Kategorie den Buchhändlern das Leben und das Sortieren in ihren Regalen schwer: All Age. Doch welche Bücher verbergen sich wirklich hinter dieser ominösen Kategorie? Sollen hier – wie bei den Spieleverlagen schon lange üblich – Leser von 0  bis 99 Jahren angesprochen werden? Und wer um alles in der Welt hat sich diese Kategorie bloß ausgedacht?

Vermutlich sind zwei Frauen an diesem “Debakel” schuld: Joanne K. Rowling, die mit Harry Potter völlig unbewusst wohl den ersten All-Ager schuf und Stephenie Meyer, deren Bis(s)-Bücher auch jenseits der 30 verschlungen wurden und werden. Oder ist All Age womöglich doch eine Erfindung von Autoren und Verlagen, die so mit einem modernen Begriff jegliche Altersangaben umschiffen können?

Klar ist, dass sich All-Age-Titel sicherlich nicht an kleine Bilderbuchleser und Grundschüler richten, obwohl seit einiger Zeit – zumindest in den Vorschauen – ein sinkendes Einstiegsalter für All-Age-Titel zu beobachten ist. Aber egal ob sich die Bücher an junge Erwachsene oder erwachsene Jugendliche richten, es bleibt die Frage:  “Werden diese generationsübergreifenden Bücher die Kategorie Kinder- und Jugendbuch über kurz oder lang verdrängen?” Ich glaube es nicht, zumal mir bei der Durchsicht einiger Vorschauen aufgefallen ist, dass bislang nur wenige Verlage den Begriff überhaupt verwenden.

Ravensburger nennt sein Programm für Leser ab (vermutlich) 14/15 Junge Erwachsene. Bei vielen Verlagen u.a. Hanser, Oetinger und Thienemann finden wir die klassischen Begriffe Kinderbuch und Jugendbuch, bei letzteren sogar mit expliziter Altersangabe. Lediglich bei Bloomsbury (Minous Geschichte) und Carlsen (Grischa) wurde ich bei meiner Suche nach All-Age-Titeln in der Vorschau fündig. Auf der Verlags-Website war Grischa jedoch plötzlich in der Kategorie “Junge Erwachsene” mit Altersangabe zu finden. Script 5 hingegen betitelt sich selbst schon als “Junge Belletristik” und verzichtet sowohl in Vorschau als auch im Internet vollständig auf Altersangaben und Kategorien.

Auch die Buchmesse lässt dieses Thema nicht kalt. Am Messe-Mittwoch treffen Roswitha Budeus-Budde (Redakteurin der Süddeutschen Zeitung), Sarah Haag (Programmleiterin bei Loewe) und Nina Blazon (Autorin) im Kinderbuchforum Halle 3.0 K371 aufeinander, um über die Zukunft des Jugendbuchs zu diskutieren.

 

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  • Ralf Schweikart

    Na, so ganz neu ist das alles gar nicht, nur das Etikett gibt es erst seit kurzem. Erinnert sei an Michel Ende mit Momo und der Unendlichen Geschichte – weit vor Harry Potter. Und Bücher für junge Erwachsene gab es mit Reihen wie rororo Panther und fischer Boot auch schon Ende der 70er bis in die 80er Jahre hinein. Deshalb: Kein Angst vor dem Etikett. Es sind im Idealfall nur gute Geschichten drin.