Ein E-Book veröffentlichen – Tipps und Erfahrungen
Vorwort: Die ersten Überlegungen zum folgenden Projekt stammen aus einer Zeit, lange bevor ich anfing, für meinen Video-Reiseblog VonUnterwegs.com durch die Welt zu reisen – und auch lange vor der Gründung unseres neuen Reiseblogger Kollektiv.
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Es sollte unser nächstes großes Abenteuer werden. Vier Wochen lang wollten meine Freundin und ich im Mai 2010 mit Flugzeug, Camper, Boot und Bus das ferne Australien entdecken. An erster Stelle stand bei uns beiden das Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit. Direkt dahinter aber stand mein Plan, den ich schon lange vor der Reise gefasst hatte.
Ich wollte – ein Dreivierteljahr vor dem Start meiner Selbständigkeit als Reisejournalist und Blogger – herausfinden, ob ich in der Lage bin, eine zusammenhängende Geschichte mit der Länge eines Buches zu verfassen, die man gerne liest. Eine Herausforderung, ein Test für den anstehenden, neuen Job.
Viele Episoden habe ich noch während der Reise zu digitalem Papier gebracht, wie zum Beispiel die von einer Rentnerin aus Bowen, die sich bei den Dreharbeiten zum Kinofilm “Australia” unsterblich in Hauptdarsteller Hugh Jackman verliebt hat. Oder die von Sam, dessen Leben im Outback sich durch ein besonderes Ereignis mit den Aborigines grundlegend geändert hat. Oder auch die von unzähligen kotzenden Menschen um uns herum, als wir bei rauer See vor Cairns einen Bootsausflug ins Great Barrier Reef unternommen haben.
Wieder zu Hause angekommen lag das Buch eine ganze Zeit halb fertig auf meiner Festplatte herum. Job und Alltag hatten mich fest im Griff. Etwa zu Weihnachten hatte ich “Ein Koala namens Bruce – Unterwegs in Australien” dann endlich fertig gestellt.
Doch was nun?
Meine zaghaften Versuche, an Buchverlage heranzutreten, scheiterten relativ schnell. Die Antworten aus der Branche waren stets dieselben: Es gibt so viele Reisebücher auf dem Markt, weshalb inzwischen eigentlich nur noch Bücher gedruckt werden, in denen (übertrieben gesagt) ein Einbeiniger durch die Sahara joggt oder jemand mit dem Rad bis Neuseeland fährt. Immer höher, immer weiter, immer krasser. Oder: Wenn es nur eine normale Reise ist, muss der Autor wenigstens berühmt sein. Das waren die Worte.
So gingen weitere Monate ins Land, in denen das Buch im Getümmel auf meiner Festplatte verschwand. Bis ich in diesem Frühjahr – über ein Jahr später – am Fuße der Amazon-Website auf den Link “Ihr Buch veröffentlichen” stieß.
Wie? Was? Ich kann mein Buch kostenlos als E-Book hochladen, den Preis selbst festlegen und es erscheint dann wie jedes andere E-Book auch im Amazon-Shop? Ist ja der Wahnsinn!

Dachte ich wirklich – und es fühlte sich gut an. Ich sah zu diesem Zeitpunkt keine Alternative und wollte endlich ein Ergebnis für die Liebe und die Arbeit, die ich in meine Geschichte gesteckt habe. Ich schaute, wie der Durchschnittspreis für E-Books ist und empfand 2,99 € als fair und erschwinglich. Genauso fair fand ich übrigens, dass mir etwa 2 € davon selbst zustanden.
Viele Leser meines Reiseblogs und die Fans auf meiner Facebook-Seite freuten sich mit mir und versprachen, das Buch zu kaufen – bis zur ersten Ernüchterung: Amazon arbeitet ausschließlich mit dem Kindle-Format. Viele meiner Leser besitzen aber keinen Kindle-Reader und wollen auch keinen.
Mein Gedanke: Okay, dann stelle ich das Buch auch in anderen Formaten auf anderen Plattformen ein. FAIL! Im Kleingedruckten steht, dass ich Amazon bzw. KDP (Kindle Direct Publishing) mein E-Book 90 Tage lang exklusiv zur Verfügung stelle und es mir nicht gestattet ist, es in diesem Zeitrahmen woanders anzubieten.
Verpufft. Die Anfangseuphorie von meinen Lesern und mir war dahin. Jetzt hieß es warten…

Inzwischen gibt es mein E-Book in allen gängigen Formaten (Kindle, Epub, PDF, RTF, LRF, PDB…) bei Barnes & Noble, im iTunes-Store und auch bei Smashwords. Letzteres Unternehmen hat mir dabei geholfen, dem Buch die notwendigen Formatierungen für verschiedene Formate zu verpassen.
Es gibt hier zwei Möglichkeiten: Entweder man liest sich den unendlich langen Formatierungsführer “The Smashwords Style Guide” durch und formatiert selbst (dazu hatte ich weder Zeit noch Lust) oder man schreibt eine Mail an Smashwords und bekommt dann den Kontakt zu einem deutschsprachigen Formatierer, der einem die Arbeit für rund 40 € abnimmt. Das klang gut, das Geld konnte ich locker von meinen bisherigen Kindle-Einnahmen abzwacken und somit sinnvoll anlegen.
Smashwords sorgt nach dem erfolgreichen Hochladen automatisch dafür, dass das E-Book auf nahezu allen namhaften Portalen zum Kauf angeboten wird. Somit hatte ich keine weitere Arbeit damit und freue mich riesig, dass ich inzwischen fast 200 Exemplare verkauft habe.
Sicherlich: Mit einem renommierten Buchverlag im Rücken wäre mehr drin, was die Vermarktung des Buches angeht. Doch dazu wäre es aus oben genannten Gründen bestimmt nie gekommen – und meine Herausforderung, mein Test wäre für immer im Getümmel auf meiner Festplatte verschwunden.
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