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Frankfurt Academy als Verlag? Holger Volland erklärt…

 

Die Frankfurt Academy bietet Konferenzen, Workshops und Intensivtrainings an – während der Messetage im Oktober und das ganze Jahr über weltweit. Aktuell ist eine Sonderedition mit vier E-Books erschienen – die Academy wird also auch zum Publisher. Wieso und warum?

Unser Auftrag ist es, die vielen intelligenten Köpfe der Branche zusammenzubringen und ihr Wissen weltweit verfügbar zu machen. Dies tun wir mit Konferenzen ebenso, wie mit Publikationen, wie etwa dem vierteljährlichen, englischsprachigen Frankfurt Academy Quarterly Magazin. Mit den vier E-Books gehen wir einen neuen Weg: Wir haben darin rund 60 Studien, Aufsätze, Interviews und Fachaufsätze versammelt, die einen hervorragenden Überblick bieten über Themen, die unserer Meinung nach in den nächsten zwölf Monaten eine wichtige Rolle im Publishing spielen werden. Warum wird man zum Publisher? Weil man ein Publikum für wichtige Inhalte erreichen möchte. In unserem Fall wollen wir der Branche dabei helfen, in die Kristallkugel der Zukunft zu schauen, indem wir spannende Positionen aus allen Ecken der Welt zu Tage fördern.

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Die E-Books decken thematisch die vier großen Säulen der Frankfurt Academy ab – Innovation & Technologie, Märkte & Trends, Neue Geschäftsmodelle sowie Rechte & Lizenzen. In welchen Gebieten zeichnen sich Ihrer Meinung nach gerade die größten Veränderungen ab?

Für unser E-Book zu Geschäftsmodellen hätten wir leicht ein doppelt so umfangreiches Werk publizieren können. Überall auf der Welt entstehen gerade neue Ideen, um mit Inhalten Geld zu verdienen. Darunter sind so wahnwitzige Konzepte wie Apps mit 5 Minuten Texten für die Bushaltestelle oder die Kombination von Crowdfunding mit Charity. Aber auch Verleihmodelle und Abos werden ein Riesenthema, das im Zweifel eine erste Konkurrenz zum Kauf von E-Books darstellt. Je weniger greifbar ein Buch ist, desto mehr überwiegt der Wunsch nach Nutzung statt Besitz.

Aber auch der Blick in die vier großen BRIC Märkte zeigt, dass hier Entwicklungen entstehen, die wir in der Regel nur am Rande mitbekommen. Wussten Sie, welche der unzähligen Events und Messen in Brasilien die wichtigsten Säulen der Titelvermarktung sind? Haben Sie mitbekommen, wie Amazon in China beim Online-Handel die extrem niedrige Verbreitung von Kreditkarten umgeht? Oder war Ihnen klar, dass die internationalen Top-Seller in Russland Alexandre Dumas, Agatha Christie und Barbara Cartland sind? Je wichtiger E-Books und globale Handelsmärkte werden, desto mehr sollten Sie sich mit den Erfolgsmodellen in anderen Teilen der Welt beschäftigen!

Sie sprachen es eben an – das E-Book „Märkte & Trends“ bietet u.a. aktuelle Kennzahlen zu Emerging Markets, z.B. Indien, Brasilien, Russland und China. Die Frankfurt Academy hat in diesem Jahr zum ersten Mal Konferenzen in diesen Ländern durchgeführt – sehen Sie in der Verlagswelt eine Tendenz, in diese Märkte zu gehen, und wie würden sie diesen Trend beschreiben?

Es ist für viele Verlage nicht nur eine Tendenz, sondern eine Notwendigkeit, sich mit diesen Märkten intensiv zu beschäftigen. China entwickelt gerade einen selbstbewussten Markt mit wachsender Mittelschicht, die eine immense Kaufkraft besitzt. Zwar werden die Interessen der Bevölkerung immer internationaler und die Lust am Entdecken fremder Länder steigt. Gleichzeitig jedoch konzentriert sich das Land auch immer stärker darauf, die eigenen Inhalte in die Welt zu exportieren. In diesen Entwicklungen stecken Chancen für Verlage. Mit den Konferenzen der Frankfurt Academy vermitteln wir das Wissen über die Märkte vor Ort, gleichzeitig schaffen wir aber auch Treffpunkte und Marktplätze, bei denen Gespräche und Verhandlungen stattfinden und Geschäfte angebahnt werden.

Gleiches gilt für die Konferenzen in Brasilien und Indien. Mit Contec, Jumpstart oder Globalocal werden unterschiedliche Segmente des Publishingmarktes angesprochen und insbesondere die wachsenden Bereich Kinder/Jugendliche und Bildung finden hier ihre aktiven Marktplätze.

Pubslush, Pigmalion Studios, Skoobe – das E-Book „New Business Models“ stellt Startups vor, die sich mit findigen, kundennahen Lösungen einen Nischenplatz erobert haben. Welche Startup-Idee hat Sie zuletzt begeistert?

Ich saß vor Kurzem mit dem Gründer von Pubslush, Jesse Potash zusammen. Mich hat begeistert, mit welchem Feuer er für seine Idee eintritt, für jedes verkaufte Buch ein weiteres zu spenden an die 100 Millionen Kinder auf dieser Welt, die keinen Zugang zu Büchern haben. Es sind genau diesen kleinen Erfolgsideen, die unsere Branche auch liebenswert machen und die zeigen, dass eine digitale Produktwelt nicht seelenlos sein muss. Jesse hat übrigens einen Hintergrund im Finanzwesen, nicht im Publishing.

Alle reden über Licensing & Merchandising, zum ersten Mal sind die Macher von Angry Birds auf der Frankfurter Buchmesse. (Was) können Publisher von dieser sehr erfolgreichen Marke lernen?

Die wichtigste Botschaft von Rovio lautet sicherlich: Ein sehr einfaches und klares Produkt kann so spannend sein, dass es über eine halbe Milliarde mal heruntergeladen wurde. Geht man tiefer, entdeckt man viele Facetten, die auf anderen elektronische Produkte übertragen werden können: Die Zusammenführung von Spaß und Lernen, Virales Marketing, automatisierte Distributionsabläufe… Für uns ist Rovio aber auch ein tolles Beispiel für erfolgreichen Lizenzhandel, denn sie zählt mittlerweile zu den begehrtesten Familienmarken unter den Lizenzprodukten und zusätzlich weitet Rovio sein Portfolio aus auf Bücher oder Lernprodukte. Wie sich der Lizenzhandel gerade ändert und was für Verlage die Erfolgsmodelle sind, ist auch Thema eines Seminars auf der Frankfurter Buchmesse, für das wir Rovio als Redner gewinnen konnten.

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Metadata sind zwar nicht sexy aber umsatzfördernd: Titel, deren Metadaten vollständig gepflegt sind, verkaufen sich laut Nielsen besser als jene mit unvollständigen Daten. Im Fachprogramm der Academy feiert der TOC Metadata Premiere. Gibt es in der Branche Nachholbedarf?

Es ist ja nur eine halbe Premiere, denn wir hatten bereits im letzten Jahr eine recht erfolgreiche Metadata Perspectives als Überblickskonferenz. Zu den wichtigsten Herausforderungen im Datenmanagement gehören aktuell globale Verkäufe und der Rückgang von Territorialrechten. Auch viele neue Erkenntnisse des aktuellen BISG Reports werden wir hier besprechen und konnten dafür zwei klasse Experten gewinnen: Brian O’Leary von Magellan Media und Laura Dawson von Bowker.

Nur noch wenige Wochen bis zur Frankfurter Messe – auf welchen Academy-Sprecher freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten?

Eigentlich müsste ich jetzt mindestens fünf große Namen nennen, aber mein ganz persönliches Highlight ist ein eher wissenschaftlicher Sprecher: Jonathan Gottschall kommt zu StoryDrive. Ich finde sein kluges Buch The Storytelling Animal ganz wunderbar und bin sehr stolz, Ihn auf der Messe zu haben. Er verbindet Geistes- und Naturwissenschaften und zeigt, wie das Geschichtenerzählen zum Überleben unserer Spezies beiträgt. Das darf man nicht verpassen!

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