Vom Klassenzimmer der Zukunft zum Urknall: Die Wissenshalle 4.2
Ist eine Halle, in der es um Fachinformation, Wissenschaft, Bildung, um Fachbesucher wie Lehrer, Hochschulangehörige und Bibliothekare geht, eigentlich spannend, schillernd, faszinierend?
Sehr wohl und aus unterschiedlichen Gründen!!
Bevor ich loslege, darf ich mich kurz vorstellen: Ich bin seit 2010 Leiterin Wissenschaft, Bildung und Technologie bei der Buchmesse. Ich habe Kunstgeschichte und Buchwissenschaften studiert und arbeitete seit 1995 für Fachverlage als Redakteurin und Lektorin. Ab 2000 war ich an großen Digitalisierungsprojekten in internationalen Medienkonzernen beteiligt, sowohl im B2B als auch im B2C-Bereich. Für mich ist die Halle bis heute der perfekte Ort um das zu zeigen, was an Innovation im Bereich der Wissensvermittlung stattfindet.
Als ich 2010 bei der Buchmesse anfing und noch „unbedarft“ durch die Halle 4.2 ging, war für mich mit Händen zu greifen, wie viel Potential in ihr steckt. Wenn Wissen und Information im 21. Jahrhundert die wichtigste Ressource für Gesellschaften sind, dann sind alle Player aus diesem Bereich hier in einer Halle präsent: Es gibt ein immer stärker wachsendes Bildungsareal, die Verlage aus dem Bereich STM (Science, Technology, Medicine), Geisteswissenschaften, RWS (Recht, Wirtschaft, Steuern), Universitätsverlage – alle an einem Ort aus über 34 Ländern. Zudem die Dienstleister und Wissensmanager wie Bibliothekare und Information Professionals mit ihrem Internationalen Bibliotheks-Zentrum. Sowie deren Nachwuchs wie die Fachangestellten Medien und Informationsdienste (FaMIs) oder LIS-Corner. Vielleicht fehlte damals ein Stück weit die Ordnung in der Halle, die erkennbar machte, wo welche Unternehmen zu finden sind. Definitiv fehlten die Orte, an denen sich die Player austauschen, streiten – denn hier wird heftig über die Zukunft des Publishing diskutiert - und vernetzten können.

Internationales Bibliothekszentrum
Heute haben wir mit einer neuen Positionierung der Aussteller sowie mit verschiedenen Programm-Plattformen wie den SPARKS Stages und den Hot Spots Professional & Scientific Information und Education eine Struktur in die Halle gebracht, und wollen zeigen: In der Halle 4.2 trifft sich die internationale digitale Avantgarde. Zugleich öffnet sich die 4.2. und damit auch die Wissenscommunity verstärkt nach Außen, hin zu Business- und Privatkunden. Eric Merkel-Sobotta, Geschäftsführer von Springer Science & Business Media sagt dazu: “Wissenschaftler bleiben unsere Hauptzielgruppe – ob sie nun im akademischen Umfeld arbeiten oder in einem Unternehmen. Was eine wesentliche Veränderung bedeutet, sind die neuen Möglichkeiten, aus unserer Datenbank maßgeschneiderte Produktangebote zu machen. Der Bereich Corporate gewinnt dadurch in der Tat als Zielgruppe an Gewicht, ebenso Einzelkunden.” Ein weiterer Trend ist, dass die Erwartungshaltung von Kunden gestiegen sind, getrieben durch Angebote von Playern wie Google und Amazon: Informationen müssen zu jeder Zeit an jedem Ort abrufbar sein, möglichst auch noch kostenfrei. Dennoch ist die Zahlungsbereitschaft für hochwertige Informationen im Bereich Fachinformation und Wissen nach wie vor hoch. 2011 wuchs der Umsatz der Fachmedienbranche etwa um 1,9 Prozent auf insgesamt 3,09 Milliarden Euro. Dr. Ulrich Hermann, Geschäftsführer von Wolters Kluwer, sagt dazu: “Es besteht die Bereitschaft, solche Dienste – nicht die Inhalte – zu abonnieren, die qualitätsgesicherte Inhalte in den Nutzenkontext stellen, und sozusagen am ‘Point of Need’ mit hoher Relevanz für die Fragestellung anbieten. Die Nachfrage nach hochwertiger Information ist nach wie vor hoch und es gibt auch eine Bereitschaft zu zahlen – Kunden prüfen aber zunehmend den Nutzenkontext auch für hochwertige Inhalte und entscheiden sich für den Kauf situativ.”
Das Ökosystem des Wissens verändert sich: So sind neben Bibliothekaren auch Information Professionals (IP) eine zunehmend wichtige Kundengruppe – also Personen, die Wissen für Unternehmen und Institutionen einkaufen, organisieren, zugänglich machen. Sehr oft sind dies Diplombibliothekare, die in Unternehmen tätig sind. Für Verlage sind die Information Professionals nur schwer zu fassen, da sie sich nur informell organisieren. Mit der Halle 4.2 versuchen wir, ihnen eine „Heimat“ auf der Buchmesse zu geben.
Als “Wissenshalle” zieht die 4.2. verstärkt Institutionen und Unternehmen an – denn komplexe Sachverhalte lassen sich hier
öffentlichkeitswirksam in Szene setzen, immerhin besuchen rund 9.000 Journalisten jährlich die Buchmesse. Ein Beispiel in 2012 ist das Kernforschungszentrum CERN aus Genf: Das Forschungsinstitut will, dass die Welt versteht, was sie da machen, 100 Meter unter der Erde. Auch in 2012 plant CERN – wie schon 2011 – eine interaktive Präsenz in der 4.2, mehr dazu können Sie hier lesen. Für beide Seiten – CERN und die Wissenschaftsverlage – ist das eine wunderbare Nachbarschaft: Wissenschaftsverlage verlegen, was Wissenschaftler erforschen.
Im Klassenzimmer der Zukunft wird gemeinsam mit Partnern und Sponsoren ein visionärer Raum entwickelt, der den Einfluss modernster Technik und entsprechend Inhalte auf das Lernen vor Augen führt. Verlage als „Contentlieferanten“ finden hier neue Formate über das Buch hinaus.
Nicht zuletzt zeigt die Halle 4.2 gebündelt, was Verlage leisten: ”Sie investieren in die Entwicklung von Zeitschriften-Marken, die Forschern die Navigation in der stetig wachsenden Fülle von Aufsätzen erleichtern. Auch die Organisation des ‘Peer Review’ ist mit erheblichem technologischen und administrativen Aufwand verbunden. Verlage entwickeln die digitale Infrastruktur, die die wissenschaftliche Kommunikation in den vergangenen 15 Jahren revolutioniert hat. Zwar ist ein Teil der mit Druck und Vertrieb verbundenen Kosten weggefallen, auf der anderen Seite entstehen aber ganz neue Verlagsaufgaben, denn Online-Publikation bedeutet weit mehr, als Artikel auf einem Server abzulegen: nämlich Aufbau, Weiterentwicklung und Pflege einer komplexen Datenbank- und Webapplikations-Infrastruktur mit ständigen Tätigkeiten wie Verlinkung, XML-Codierung, Indexierung, Suchmaschinen-Optimierung”, so Eric-Merkel Sobotta von Springer Science. Dabei sind Verlage im ständigen Wandel, und eine Frage treibt sie besonders um: “Wie können wir für unsere Kunden Nutzen und Mehrwert schaffen?”, so Dr. Ulrich Hermann von Wolters Kluwer. Es gehe nicht mehr nur darum Inhalte bereitzustellen, sondern darum, die Produktivität der Kunden zu erhöhen.