- Datum
- 30. Oktober
2011
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- Alva Gehrmann
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Die deutsche Island-Community – ein kleiner Einblick und ein Ausblick auf weitere Events
Derzeit sollen einige hundert Isländer in Deutschland leben. Meiner Meinung nach lassen sich diese in drei große Gruppen unterteilen: die Studenten, die Kreativen und die Handballprofis. Island ist im Handball sehr gut – bei den Olympischen Spielen 2008 in Beijing holten die Männer sogar die Silbermedaille. Das machte sie in ihrer Heimat zu Nationalhelden, bei ihrer Rückkehr in Reykjavík wurden sie jubelnd von Tausenden Landsleuten empfangen.
Einige dieser Helden sind Profis bei deutschen Vereinen wie dem THW Kiel, SG Magdeburg, den Rhein-Neckar Löwen oder den Berliner Füchsen. Sogar die Trainer von Kiel und Berlin sind beide Isländer, auch kurz „Isis“ genannt, ebenso wie die rund 60.000 Islandpferde in Deutschland, aber das nur so am Rande.
Wenn man einmal darauf achtet, gibt es scheinbar unglaublich viele Isländer bei uns. Einer sagte mal im Spaß: „Wir sind zwar nur knapp 320.000, aber so aktiv, dass manche glauben, wir wären drei Millionen.“ Vielleicht kommt es daher, dass die meisten gleich mehrere Jobs haben – und sich dadurch die Einwohnerzahl quasi multipliziert. Elín Hansdóttir und Tómas Lemarquis zum Beispiel spielten vor einigen Jahren die Hauptrolle in dem auch international erfolgreichen Spielfilm Nói Albinói. Beide leben in Berlin und beide sind bekannte Künstler. Während sich Elín inzwischen vor allem auf die Kunst konzentriert, spielt Tómas Lemarquis weiterhin in zahlreichen einheimischen Produktionen mit, zuletzt drehte er außerdem für einen SWR-Tatort.
Þorbjörn Björnsson wiederum ist ausgebildeter Opernsänger, der derzeit an der Berliner Schaubühne in dem Stück „Die Heimkehr des Odysseus“ zu sehen ist, nebenbei ließ er sich vor einem Jahr in Island als Tourist-Guide ausbilden und bietet, gemeinsam mit meinem Blog-Kollegen und Isländisch-Lehrer Ólafur, unterhaltsame Islandkurse an. Als ich mir Þorbjörns Stück ansah, lernte ich danach auch seine Mutter kenne, die gerade zu Besuch war und eine von 63 Abgeordneten des isländische Parlamentes ist. (Ja, das ist Island und sein Netzwerk.)
Dass viele Isländer in Berlin leben, liegt sicherlich zum einen daran, dass die Metropole seit einiger Zeit angesagt ist, aber auch daran, dass es die einzige Hauptstadt Europas ist, in der die Mieten noch einigermaßen bezahlbar sind. Bereits seit über zwölf Jahren wohnt der heute 38-jährige Künstler Egill Sæbjörnsson in Berlin-Mitte. 2009 begleitete ihn ARTE für eine 20-minütige Doku in Berlin, in dem Porträt wird auch seine vielseitige und fantasievolle Kunst vorgestellt. (Nicht mit dabei ist allerdings seine Kunst, für Besucher isländische Pfannkuchen zu backen.) Mal performt Egill gemeinsam mit seiner brasilianischen Partnerin, dann entwirft er charmante Videoinstallationen, nimmt ein Musikalbum auf oder summt bei Björks A-cappella-Album Medúlla im Song und Video „Triumph Of A Heart“ mit.
Da Egill derzeit viel auf Reisen ist, hat er seine Wohnung an die Schriftstellerin Ingibjörg Hjartardóttir und deren Mann untervermietet. Sie kennen sich über deren Kinder. Das Ehepaar wird bis zum Frühjahr in der Hauptstadt bleiben, gemeinsam fuhr es auch zur Frankfurter Buchmesse, wo Ingibjörg ihren gerade auf Deutsch erschienenen Roman Der Zuhörer vorstellte. Die Hauptprotagonistin ist eine Deutsche, die 1949 mit einem Schiff nach Island kam, um dort in der Landwirtschaft zu arbeiten. Ihr spannender Roman basiert auf wahren Begebenheiten. Knapp 300 Frauen zogen damals nach dem Zweiten Weltkrieg in die Fremde. Ingibjörg wird im Dezember über das Buch und die Entstehungsgeschichte in der isländischen Botschaft berichten. Übrigens: Ihr Sohn Hugleikur Dagsson ist ein erfolgreicher und provokanter Comic-Zeichner.
Verwirre ich Euch mit all den vielen Namen? An sich ist es ganz einfach, wenn man ein paar Mal auf Veranstaltungen von und mit Isländern war, lernt man die meisten schnell kennen und trifft sie immer wieder. Auch die bezaubernde Schriftstellerin Steinunn Sigurðardóttir, die schon vorab von einem FAZ-Kritiker als „Königin der Buchmesse“ bezeichnet wurde. Steinunn wohnt mit ihrem Mann, den sie liebevoll „ihren Komponisten“ nennt, in Kreuzberg – und ist ab und an in der isländischen Botschaft anzutreffen. Die Vertretung Islands in den Nordischen Botschaften veröffentlicht zudem jeden Monat einen Newsletter, in dem bundesweit stattfindende Konzerte, Lesungen und Events zusammengestellt werden.
Felix, der siebenjährige Sohn meiner Nachbarn, war dabei, als ich in der Botschaft eine meiner Lesungen hatte. Sein Vater sagte später ironisch, dass ich nun sicherlich in Island eine Superheldin und berühmt sei. Kurz darauf malte Felix mir dieses Bild. (Ich bin natürlich weder berühmt, geschweige denn eine Heldin.) Eine Frau hat mir allerdings tatsächlich strahlend gewunken, als ich aus dem Flugzeug stieg – es war eine gute alte Bekannte.
Ich weiß, das wird jetzt sehr kitschig klingen, doch soviel Pathos muss am Ende dieser zweimonatigen Blogger-Zeit erlaubt sein: echte Superhelden sind für mich die Mitarbeiter des Sagenhaftes-Island-Teams – ebenso wie die vielen isländischen Literaten und Künstler. Einige von ihnen lesen in den nächsten Wochen noch in verschiedenen Städten (siehe Kalender hier). Liebe Freunde der Literatur: Schwenkt Flaggen, applaudiert, prostet ihnen mit reichlich Brennivín zu, die Isländer haben es verdient – so wie 2008 ihre Handball-Nationalmannschaft.
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- Handball, Ingibjörg Hjartardóttir, Island, Isländische Botschaft, Steinunn Sigurðardóttir, Tómas Lemarquis, Þorbjörn Björnsson
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