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Verlage, (kein) Blogger und Websites im Gespräch

Herr Tischer vom Literaturcafe.de lud als Moderator ein und sechs Gäste auf und über dreißig vor der Bühne folgten. Es sollte eine Gesprächsrunde über die Beziehung zwischen Verlagen auf der einen Seite – und Bloggern auf der andere Seite werden – so der Plan. Doch leider -Ach- es fehlte auf dem Podium ein richtiger Blogger aus der Literaturszene. Aber der Reihe nach…

Vorgeplänkel: Promotion für Das neue Lexikon des Unwissens

Charmant ging es los, es wurden zwei Gäste auf die Bühne geladen, Kathrin Passig und Aleks Scholz, um über deren neustes Werk zu sprechen. Den reinen Buch-Promotionteil überspringe ich Blogger an dieser Stelle, der passende Beitrag auf LiteraturCafe.de wird von mir direkt Verlinkt. Interessanter fand ich den Teil, in dem Herr Tischer kurz mit den Autoren über die Wahrnehmung eines Autors über den Verlag sprach: “Verlage ist eine BlackBox, Manuskript rein, Buch (kommt) raus.” Es herrschte bei den beiden Rowohlt-Autoren eine Unzufriedenheit / Unwissenheit über das weitere Vorgehen im Verlag, was zum Beispiel das Buchmarketing des verfassten Werks betrifft. Die Autoren hatten das Gefühl, die Verlagsmarketingabteilungen kennen sich weniger mit dem zum Buch passenden Marketing aus, als der eine oder andere externe Dienstleister. Zu guter Letzt fehlte den Autoren jegliche Marktforschungs- und ROI-Betrachtungen zu dem Werk. War diese oder jene Maßnahme überhaupt erfolgreich? Nur weil eine Marktingverantwortliche gern Radio hört, werden eher Spots geschaltet? Ein Einzelfall? Ein Missverständniss?

Vier Gäste zum Thema “Blogger und Verlage” und kein Blogger in der Runde

Sicher, Herr Tischer betreibt eine Website / Blog, aber als Moderator verblieb nur die “moderate Rolle”. Mir, als Blogger rollten sich bei einigen Aussagen auf dem Podium die Fußnägel hoch, als ich Worte wie “Blogger als Dienstleister der Verlage” hörte – auch wenn ich diese Worte nun vielleicht aus dem Zusammehang reissen mag – und im Kern diese Aussage zutrifft. Eine freundlichere Umschreibung hätte mich Blogger eher erfreut. Auch Worte wie “Buch-Schnorrer” fielen, sicher bei Mainstream-Titeln an der einen oder anderen Stelle denkbar, dies kann ich selbst als Blogger jedoch nicht beurteilen. Es fehlte einfach ein Blogger auf der Bühne als Gegengewicht. Verlagsmenschen sprachen auf dem Podium über Blogger, ohne Bloggerbeteiligung – So mein persönlicher Eindruck.

Exkurs: Der Wert eines Buchs vs. der Wert eines Links

Doch… allein ein “gekaufter” Link in fast jedem Blog (Stichwort Bloggergate) ist sicher mehr als 10 Euro für ein Taschenbuch Wert. Leicht kann ein Blogger für solche gezielte Keywordplatzierung auch 20 bis 40 Euro erhalten. Ob er bei solchen Suchmaschinenmarketing-Experimenten mitmachen mag, soll jeder Blogger für sich Entscheiden, doch der Wert nur eines Links wird schon Höher eingestuft, als der verlagsinterne Wert eines Taschenbuchs. Und wenn nur 50% der Leute ein paar Zeilen verfassen -mit Link auf einen Buchshop, wird vermutlich das Google-Ranking des Titels in einem Shop verbessert.

Stichwort Messbarkeit: Books2Looks, dessen Messestand war nur zehn Schritte vom Podium entfernt, bietet ein passendes Blogger-Trackingtool für Verlage bei der Einbindung eines Buchs in einen Blog. Wurde leider nicht im Gesprächskreis erwähnt. Wäre aber eine gute, spontane Podiums-Ergänzung zu BlogDeinBuch.de gewesen. Und die Auswirkung eines Artikels in der Zeit, FAZ oder der Süddeutschen auf den jeweiligen Buchverkauf wird vorhanden sein, doch auch hier liegen keine Zahlen im Detail vor, richtig?

Zurück zum Thema: Wer war auf dem Podium?

Zwei Verlage schickten Damen aus dem Marketing ins Rennen: Tina Pfeiffer, Bastei Lübbe und Caroline Lauth vom Fischer Verlag. Dazu kam noch Andrea Diener, Teilzeitbloggerin und Autorin für die FAZ und Cao Hung Nguyen von BlogDeinBuch.de.

Den Aussagen aus dem Verlagsmarketing wie “Ein Facebook-Post allein reicht nicht aus” muss sicher kein weiterer Kommentar hinzugefügt werden. Die Aussage der Redakteurin Andrea Diener “Social Media kommt nicht an” (keine genauen Zitate möglich, da ich nur Stichpunkte mitgeschrieben habe) und “Ich folge der Schwarmintelligenz” kann ich jedoch nur Teilweise zustimmen. Je nach den eignen Mediennutzungsverhalten kann sich hier ein sehr unterschiedliches Bild ergeben – Eine gestandene Print-Redakteurin wird anders vorgehen als z. B. ein jugendlicher Leser / Facebooknutzer.

Relevant war für mich der völlig unterschiedliche Marketingansatz von Fischer und Bastei Lübbe: Fischer betreibt keine Marken-Facebook-Page, da die Verlagspalette einfach zu breit gestreut sein – man setzt eher auf themenbezogene Fanpages, wenn ich es richtig verstanden habe, mit Partnerportalen – Bastei Lübbe setzt hingegen auf eine zentrale Verlags-Fanpage und flankierende Fanpages zu den Autoren. Beide Verlagsmitarbeiterinnen waren sich einig, eine Fanpage vom Autoren selbst ist die bessere Lösung, wenn diese gut gepflegt wird. Bastei Lübbe übernimmt als Fallback-Lösung ansonsten eine Basisbetreung, dies kann jedoch nicht die glaubwürdigere Betreuung durch einen Autoren ersetzen.

Plan B: BlogDeinBuch.de

Beim SocialMediaVerlagsdienstleister BlogDeinBuch.de bewerben sich Blogger um ein Rezensionsexemplar und der Verlag kann dann für sich entscheiden, welchen Bloggern er nach einem Check des Blogs zusenden mag. Blogs mit Qualität -wie auch immer Definiert- werden sich so sicher durchsetzen.

Gut gefiel mir der Einwurf von Frau Lauth zum Problem der reinen Kreisverlinkung einiger Literaturblogger. Es fehle vielen dieser Blogs an einer größeren Reichweite, die über die eigenen Stammleser hinausgeht. Da haben die Damen aus dem Marketing sicher nicht Unrecht, doch Literaturblogs sind sicher eher (noch?) Nischenblogs. Da viele Blogger viel Herzblut und weniger Professionalität in den Blog stecken sollte dies aber verzeihbar sein.

Auf die Frage, ob ein Rezensionsverriss in einem Blog zu einer Sperrung des Blogs für weitere Rezensionsexemplare führt, kam die Antwort aus dem Verlagsmarketing: (Einen) “…Verriss kann es auch auf Amazon geben…” Stimmt.

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  • http://buecherohneende.blogspot.com Caro

    Hey,
    danke für diesen interessanten Artikel :) Es ist doch echt mal sehr interessant zu wissen, wie die Verlage über uns Blogger denken und was sie eigentlich letztendlich von unseren Rezensionen haben :)
    Liebe Grüße Caro

  • http://www.literaturcafe.de Wolfgang Tischer

    Wer sich die Veranstaltung anhören möchte, der findet den Mitschnitt als MP3-Datei im literaturcafe.de

    Forum Blog: Mitschnitt der Diskussionsrunde um Blogs und Verlage – Buchmesse-Podcast 2011