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Collective Storytelling: Geiseldrama auf dem Bahnhof

Schlag auf Schlag ging es heute weiter mit der Geschichte beim Collective Storytelling im Open Space! Was gestern bei Anthony McCarten zwischen Thriller und unglücklicher Lovestory changierte, entwickelte sich bei Schriftsteller Alban Nikolai Herbst (links) und Moderator Ernest Wichner zu einem rasanten Geiseldrama. Da wurden Revolver gezückt, die Polizei kam zum Einsatz, der Vater von Nele tauchte plötzlich auf und zu guter Letzt nahm Wladimir, der wütende russische Oligarch und Vater von Anton, Mutter Linda als Geisel!

Ob die Geschichte ein Happy End haben wird? Oder wird noch Blut fließen? Das wird morgen Nhoah entscheiden, der ab 14 Uhr die Geschichte mit Unterstützung der Zuschauer zu Ende erzählt (im Open Space auf der Agora). Also, wenn ihr Einfluss nehmen wollt auf den Ausgang der Geschichte, dann kommt vorbei!

Ich hoffe jedenfalls, dass er dabei auch noch die folgenden Fragen klären kann:

  • Was war damals zwischen Linda und Wladimir? Was brachte sie auseinander? Hat Linda womöglich herausbekommen, dass Wladimir kriminell ist, und sich deswegen von ihm getrennt? Oder fand sie es womöglich aufregend, dass er ein Krimineller ist?
  • Haben die beiden zusammen in Deutschland gelebt oder in Russland?

Hm… Wir werden sehen. Jetzt erst einmal die bisherigen vier Teile der Geschichte:

(1. Tag: 12. Oktober 2011) Autor : Jan Peter Bremer

Er öffnete die Tür des Zugabteils und sagte hilflos: „I’m all alone in the world. I don’t know who I am. Please help me.“

Vor dem gepflegt aber erschöpft aussehenden jungen Mann, saß eine Mutter mit zwei Kindern.

„Was will der, Mama?“ fragte eines Kinder und drängelte sich auf dem Sitz an die Mutter heran.

„Do you speak German?“ fragte die Mutter und lächelte ebenso hilflos zurück.

Just in diesem Moment brauste der Zug in einen Tunnel und als er wieder in die Helle kam, da fehlte nicht nur der junge Mann, sondern auch eines der Kinder.

Mit einem Schrei sprang die Frau aus ihrem Sitz auf und eilte, das andere Kind auf dem Arm in schrecklicher Vorahnung durch den Zug….

(2. Tag: 13. Oktober 2011) Autoren: Martin Ganteföhr und Falko Löffler

Die Kinder hatten sich kaum wecken lassen.

Linda hatte die Vorhänge des Kinderzimmers mit einem Ruck aufgezogen. und das Licht eingeschaltet. Dann war sie in ihr Schlafzimmer gegangen, um die nötigsten Sachen zu packen. Sie besann sich, kehrte ins Kinderzimmer zurück und setzte sich bei ihrem Sohn an die Bettkante. „Wir müssen uns beeilen, Anton.“ Sie strich ihm über die Wange, er brummte schlaftrunken. „Du musst der Mama heute helfen. Wir verreisen.“

Ihr Sohn setzte sich auf. „Wohin?“

„Ich erkläre es dir im Zug.“

„Kommt Papa auch mit?“

„Nein.“

Sie trat an Neles Bett und gab dem Mädchen einen Kuss auf die Stirn.

Das Telefon läutete im Flur. Linda stand auf, ging in den Flur. Sie blieb vor dem Apparat stehen, blickte aufs Display, zögerte – und ließ es klingeln.

Linda gab dem Taxifahrer zu viele Scheine. Sie wartete nicht aufs Wechselgeld. „Kommt“, sagte sie zu den Kindern. Die drei hasteten durch die Bahnhofshalle und erreichten den Zug zwei Minuten vor der Abfahrt.

Der Zug war überfüllt. Sie fand nur mit Mühe drei freie Plätze in einem Abteil.

Linda ließ sich in den Sitz fallen. „Geschafft …“

(3. Tag: 14. Oktober 2011) Autor: Anthony McCarten

Der Zug fuhr in den Bahnhof ein, und Linda sprang aus dem Waggon der zweiten Klasse auf den Bahnsteig. Sie sah sich um, suchte nach dem Fremden und ihrer Tochter. „Nele!“ schrie sie, so laut sie konnte. Und dann entdeckte sie einen Mann, der von hinten so aussah wie der, nach dem sie suchte. Mit einem Schlag aber war der Bahnsteig voller Menschen. „Nele!“ Sie verlor den Mann aus den Augen. Den kleinen Anton auf dem Arm, dessen Gewicht ihr das Fortkommen erschwerte, drängte sie sich durch die Menge. Mit einem Pfiff kündigte der Schaffner die Abfahrt des Zuges an. Endlich erreichte sie den Mann, hinter dem sie her war. Er drehte sich um, und sie erkannte, dass er nicht der richtige war. Noch war das Kind, das er an der Hand hielt, ihre geliebte Nele. Die Zugtüren schlossen sich vor ihr, und in diesem Augenblick entdeckte sie den Mann, den sie verfolgt hatte, in einem Abteil der ersten Klasse – und neben ihm Nele, die glücklich ein Eis leckte.

„Idiot!“

Der russische Oligarch hämmerte die Faust auf den Tisch im Abteil der ersten Klasse. Langsam rollte der Zug aus dem Bahnhof.

„Es war dunkel. Ich weiß auch nicht! Ich weiß nicht, wie …“, jammerte Boris.

„Wie konntest du dir das falsche Kind greifen! Ich sollte dich umlegen!“, donnerte Wladimir ihn an. „Die Kinder müssen ausgetauscht werden. Ich will das Kind des Mannes, der mir meine Frau genommen hat, nie wieder sehen.“

„Und wie willst du das anstellen?“

„Das weiß ich noch nicht.“

Nele leckte an dem Eis, das der freundliche Mann ihr gekauft hatte. Dessen Kopf aber wurde gerade von einem anderen Mann, der etwas in einer Sprache brüllte, die sie nicht verstand, mit einer zusammengerollten Zeitung bearbeitet.

Wladimir hielt in seinem Angriff inne. Er keuchte, drehte sich weg und erkannte in diesem Moment draußen auf dem Bahnsteig die Frau, die er einmal von ganzem Herzen geliebt hatte, und das Kind, das dieser Liebe entsprungen war. Ihre Blicke trafen sich, genau wie vor zehn Jahren in St. Peterburg, als sie in diesem roten Kleid und den Jack Russel an der Leine in das Restaurant gekommen war.

(4. Tag: 15. Oktober 2011) Autor : Alban Nikolai Herbst

Linda erschrickt fast zu Tode, als sie Wladimir erkennt. In dem Moment fällt Neles Blick auf das Gesicht ihrer erschütterten Mutter.

Sie schreit: „Mama! Mama!“ Und sie beginnt zu weinen.

Das hört jemand im Nachbarabteil und informiert den Zugbegleiter. Der reagiert sofort und lässt den Zug halten.

Scharfes, langes Quietschen der Metallräder.

Linda hört dieses Quietschen, sie sieht den Zug anhalten und rennt und rennt, ergreift die Öffnungsschlitze einer Tür, öffnet sie, springt hinein und rennt durch die Gänge. Was nicht leicht ist, weil die Reisenden aufgeregt sind, rufen, sich drängen. Sie drängt sich hindurch. „Nele! Nele!“

Anton ist langsam seiner Mutter hinterher. Auch er versucht, sich durch die Leute zu wühlen.

„Nele!“ Und die Mama hat ihr Töchterchen an sich gedrückt.

Derweil, weil sie Angst vor der Polizei haben, sehen Wladimir und Boris zu, unbemerkt aus dem Zug zu kommen.

Da entdeckt Boris den kleinen Anton. Und er ergreift ihn. Unbemerkt kommen die beiden, also die zwei mit ihrer Geisel, wegen des aufgeregten Gewühls aus dem Zug. Die Mutter sieht es, kämpft sich durch das Gewühl mit Nele aus dem Zug und läuft hinterher.

Als beide draußen sind, erscheint auf dem Nachbargleis Neles Vater, den aber auch Anton für seinen wirklichen Vater hält. „Vati!“ rufen die Kinder und rennen zu ihm hin, wobei der kleine Anton ein Überraschungsmoment ausnutzt und sich von Boris losreißen kann.

Unterdessen ist die Polizei eingetroffen und der noch immer sehr aufgeregte Schaffner versucht, die Situation zu erklären. Alle sammeln sich auf dem Bahnsteig.

Da zeigt Linda auf Boris und sagt: „Der hat meine Tochter entführt!“ Sofort greift die Polizei zu. (Sie schützt Wladimir, obwohl sie weiß, dass er für die Entführung verantwortlich ist.)

In dem Moment zückt Wladimir seinen Revolver. Linda schreit ihre Kinder an: „Duckt euch!“

Boris ruft: „Aber ich habe doch nur meinen Auftrag ausgeführt!“ Und er stößt die Polizisten weg, zieht ebenfalls einen Revolver, Linda ruft wieder: „Duckt euch!“

Diese Situation nutzt der andere Mann, Neles Vater, um sich mit beiden Kindern zu verdrücken.

Da nimmt Wladimir, indem er sie an sich reißt, Linda als Geisel, hält den Revolver an ihre rechte Schläfe und zischt: „Zurück! Oder ich schieße. Und gebt mir meinen Sohn!“

Linda aber sagt: „Er wird mir nichts tun, er wird mir nichts tun… Der liebt mich immer noch.“

Wladimir: „Verlass dich nicht drauf.“ Und zu den Polizisten: „Die Waffen herunter, meine Herren.“

Die Polizisten lassen die Waffen sinken, und Wladimir setzt sich, langsam rückwärts gehend, mit seiner Geisel ab. Die Polizei folgt in gebührendem Abstand.

Parallel sind die Absperr- und sonstigen Sicherheitsmaßnahmen der Polizei im Hintergrund verlaufen.

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