Collective Storytelling: Der erste Satz
“Der erste Satz entwickelt sich bei mir erst in der Mitte des Buches.” Das sagt Jan Peter Bremer, Autor des Romans “Der amerikanische Investor“. Er war heute der erste von insgesamt fünf Autoren, die im Rahmen des Projekts Collective Storytelling während der Buchmesse gemeinsam eine Geschichte schreiben.
Jan Peter Bremer hatte also die Ehre des ersten Satzes – oder sollte man sagen: die Schwierigkeit? Denn so ein erster Satz hat es schließlich in sich, hängt von ihm doch der weitere Verlauf der Geschichte ab. Und auch, ob man die Geschichte überhaupt lesen will. Nichts entmutigt den Leser mehr, als ein langweiliger Einstieg. Darin waren sich Bremer und Moderator und Literaturkritiker Denis Scheck einig. Denn Jan Peter Bremer war nicht allein beim Collective Storytelling: Scheck war während der Session an seiner Seite und sorgte dafür, dass das Publikum im Open Space dem Autor immer wieder Ideen für den weiteren Verlauf der Geschichte lieferte.
Was dabei herauskam? Ein Einstieg mit einem einem spannenden Ende (Cliffhanger!), der morgen von den beiden Game-Autoren Martin Ganteföhr und Falko Löffler weitererzählt wird (14 Uhr, Open Space, Agora). Lest selbst:
“Er öffnete die Tür des Zugabteils und sagte hilflos: „I’m all alone in the world. I don’t know who I’am. Please help me.“
Vor einem gepflegt aber erschöpft aussehenden jungen Mann, saß eine Mutter mit zwei Kindern.
„Was will der,Mama?“ fragte eines Kinder und drängelte sich auf dem Sitz an die Mutter heran.
„Do you speak German?“ fragte die Mutter und lächelte ebenso hilflos zurück.
Just in diesem Moment brauste der Zug in einen Tunnel und als er wieder in die Helle kam, da fehlte nicht nur der junge Mann, sondern auch eines der Kinder.
Mit einem Schrei sprang die Frau aus ihrem Sitz auf und eilte, das andere Kind auf dem Arm in schrecklicher Vorahnung durch den Zug.”