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Frankfurter Buchmesse: Neues denken

Juergen Boos Wir haben dieses Jahr ein Leitmotiv, das auch unser Logo begleitet – und ich werde oft gefragt, warum. Es lautet: Neues denken. Tatsächlich begleitet uns dieses Leitmotiv schon seit Jahren – denn die Messe erfindet sich jedes Jahr neu. Jetzt jedoch erreicht die Veränderung ein neues Level. Und das – so finden wir – muss deutlich markiert werden.

Die Publishing-Branche verändert sich – und ist so lebendig wie nie zuvor. Geschichten, Ideen, Informationen und Bilder suchen sich neben dem jahrhunderte gültigen Buch aus Papier neue digitale Formate, um dort ihre Wirkung zu entfalten. Die Digitalisierung wird nicht nur bislang völlig unbekannte und faszinierende neue Format- und Verarbeitungstechnologien hervorbringen, sondern es werden auch komplett neue Formen der Zusammenarbeit entstehen. Im englischsprachigen Raum spricht man hier gern vom “Aufbruch des Containers Buch”. Tatsächlich ist es nicht nur ein Aufbrechen der Formate, das wir beobachten, sondern ein Aufbruch in ein neues Zeitalter des Publizierens. Bei allem Wandel aber zeigt sich die eine „ewige“ Konstante: das menschliche Grundbedürfnis nach aufregenden, nach relevanten Inhalten. Diesem Bedürfnis gehen wir mit der digitalen Initiative Frankfurt SPARKS nach, mit der wir die Kreativbranchen Film, Games und Buch in Bezug setzen wollen. Denn ich bin überzeugt: multimediale Inhalte sind ein wichtiger Teil der verlegerischen Zukunft.

Für uns alle bedeutet der Wandel, dass sich auch das Selbstverständnis der Menschen hinter den Medien, hinter den Büchern wandelt: Bislang reichte es, “Buch” zu sagen, auch wenn schon die UNESCO Definition aus den 60er Jahren klar macht, dass diese Definition nie so sicher war, wie sie schien. Damals hieß es: “Ein Buch ist eine nicht-periodische Publikation, die mindestens 49 Seiten umfasst, ohne Titelbild, im Land selbst gedruckt sowie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde.”

Schon seit den 60ern war also eine neue Begriffswelt nötig, und Marshall Mc Luhan – dessen 100. Geburtstag auch auf der Messe gefeiert wird, unter anderem mit dem Interviewprojekt “100 voices” – war damals einer der wenigen, der das begriff. Heute ist das Bedürfnis nach einer neuen Begriffswelt Allgemeingut geworden – und wir behelfen uns mit sperrigen Ausdrücken wie “Content” oder “Inhalt”, wo wir doch das Spannendste meinen, das es gibt: Geschichten Ideen, Bilder und Informationen.

Ich habe lange über einen Oberbegriff für alle nachgedacht, die sich auf der Frankfurter Buchmesse treffen. Für mich dreht sich nach wie vor alles um die Inhalte, also Geschichten, Ideen, Informationen und Bilder. Diese Inhalte werden flüssig, sie verlassen zum Teil das gedruckte Format. Aber eines bleibt: es zeichnet sie aus, dass sie kreative Werke sind. Das trifft auf eine Datenbanksammlung eines Wissenschaftsverlags in Halle 4.2 ebenso zu wie auf den digitalen Comic am Hot Spot Kids & Comics in Halle 3.0.  Alle Menschen der Branche, alle Kunden der Buchmesse sind „Creative Work Professionals“:
alle tragen Teil dazu bei, kreatives Werk zu veredeln, zu veröffentlichen, zu vermarkten. Da gibt es weltweit keinen anderen Ort, an sich dem mehr „Creative Work Professionals“– Menschen, die sich mit der Produktion, der Veredelung und der Vermarktung dieses wertvollen „Rohstoffs“ Inhalt auskennen – versammeln, nimmt die Buchmesse eine einzigartige Stellung ein. Sie funktioniert als Gradmesser, hier finden sich die Ideen der Welt eines Jahres, mehr als 10.000 internationale Journalisten untermauern diese Bedeutung.

Vor allem aber versteht sich die Frankfurter Buchmesse als Wegbereiterin, als Garant, als Startrampe für die ständige, erfolgreiche Weiterentwicklung der Publishing-Branche. auf. Hier werden neue Partner einander vorgestellt, Märkte erschlossen, Projekte initiiert, Kooperationen aufgesetzt, Ideen für Geschäftsmodelle entwickelt. Auf der Frankfurter Buchmesse erfindet sich die Branche jedes Jahr neu. Das wird 2011 am besten deutlich an der Halle 6.0: Hier wird dem Content-Handel eine ganze Messehalle gewidmet. Das Literary Agents & Scouts Centre (LitAg), das auch dieses Jahr wieder gewachsen ist, ist hier direkt neben einem neuartigen Raum für Content-Handel platziert, dem StoryDrive Business Centre. Hier sollen Content-Händler aus den Kreativbranchen Film, Games und Buch einen Ort finden, an dem sie praktische Unterstützung finden für die Geschäftsanbahnung.

Die Herausforderung des digitalen Zeitalters besteht darin, nicht nur Kreativität und Kultur weiterhin zu ermöglichen, sondern auch die relevanten Informationen herauszufiltern und den Gesellschaften zugänglich zu machen. Das lässt sich nicht an eine Technologie delegieren. Die Frankfurter Buchmesse sorgt seit über 60 Jahren dafür, dass die Content Experten dieser Welt jährlich neue Impulse bekommen, um dieser wichtigen Aufgabe auch weiterhin nachzugehen zu können. Die neu gegründete Konferenzmarke Frankfurt Academy ist ein wichtiger Baustein dazu.

Das derzeitige Entwicklungstempo lässt eigentlich nur die eine Gewissheit zu: Es bleibt extrem spannend zu erfahren, wie es weitergeht. Bleiben Sie also neugierig!

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