- Datum
- 20. Mai
2011
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- Author
- Maria Zagar
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BuchCamp goes Berlin

Alex Vieß, Robin Meyer-Lucht, Marion Schwehr, Eliane Wurzer
Best of BuchCamp in der Hauptstadt – unter dieses Motto stellte Robin Meyer-Lucht den gestrigen Abend im BASE_camp. Im repräsentativen Gebäude von e-plus ist das BASE_camp eine Art Bar mit Blick auf “Unter den Linden”, in der ein- bis zweimal pro Woche zu unterschiedlichen Themen Veranstaltungen stattfinden.
Die Mitglieder des Forum Zukunft – Veranstalter des BuchCamps - hatten sich vorgenommen, zwei Themen des Barcamps zu verknüpfen und mit Teilnehmern und Referenten zu diskutieren: “W erden kollaborative Arbeitsprozesse in Zukunft zunehmen und unsere Arbeitsweise verändern?” und “Ist Crowdfunding eine Möglichkeit, die traditionellen Verlagswege zu umgehen?”
Dazu gab es ein paar “steile Thesen”, wie es Marion Schwehr, Initiatorin der Plattform euryclia und eine der Gewinnerinnen des gerade vergebenen Virenschleuderpreises formulierte. Ihre: “Die Zukunft gehört den Autoren.” Wie das gehen kann, stellt sie mit ihrer Plattform unter Beweis. Die Leser entscheiden, was verlegt werden soll und finanzieren das Projekt mit Kleinbeiträgen selber. Ein Blogpost von Christian Jakubetz reichte aus, um den Titel “Universalcode” mit 18 hochkarätigen Beiträgen über den Journalismus der Zukunft auf die Beine zu stellen. Allerdings: ein gut funktionierendes Netzwerk ist nötig. Auch in ihrem derzeitigen Projekt zum Thema Streetview stellt sie fest: “Ideen verkaufen sich besser als Produkte”. Die Bereitschaft, an einem interessanten Autorenprojekt teilzunehmen und es mitzufinanzieren ist viel höher als die Bereitschaft, das fertige Buch zu kaufen.
Nadine Freischlag von jovoto, einer Plattform zur kollaborativen Ideenfindung, setzt auf die Kreativität der Community. Im Prozess von Diskutieren und Kommentieren verändern sich die eingestellten Rohprojekte und gelangen durch das Feedback und die Vorschläge der Community zu einer höheren Qualität. Bedingung ist nur, dass die Regeln transparent sind, die Urheber öffentlich genannt werden und es eine Motivation zur Mitarbeit gibt, die gerne auch monetär sein darf. Als Beispiel diente der Wettbewerb um crossmediales Erzählen “Flying Sparks“, den die Frankfurter Buchmesse 2010 zusammen mit der Textmanufaktur Leipzig und jovoto ausrichtete.

Nadine Freischlad stellt "Flying Sparks" vor
Und die Verlage, die traditionellen Vermittler zwischen Autor und Leser? Nehmen sie diese Plattformen und Möglichkeiten des Selbstverlegens wahr? Verfolgen sie den kreativen Output, der überall entsteht? Droemer Knaur hat z.B. im letzten Oktober selber eine Plattform gegründet: neobooks. Autoren laden ihre Werke hoch, und die interessierten Leser können sie bewerten. Die Top 10 jedes Quartals wird vom Lektorat des Droemer Knaur Verlags gesichtet und teilweise ins E-Book Verlagsprogramm aufgenommen, als sogenannte eRiginals: Originalausgaben ohne Printvorlauf. Die Plattform ermöglicht auf diese Weise einigen Autoren den Eintritt in die klassische Verlagswelt. Lektorin Eliane Wurzer bezeichnet die Plattform als “Brutkasten”, als eine Möglichkeit für den Verlag zu scouten, aber auch als Angebot an die Autoren, um die Menge der unaufgefordert eingesandten Manuskripte einzudämmen. Denn jeder Autor kann auch ohne den Droemer Knaur Verlagsvertrag über neobooks seine Werke versuchen zu verkaufen. Dennoch sieht Eliane Wurzer Vorteile für Autoren, die auf dem klassischen Weg publizieren. Der Verlag sei ein Garant für Qualität und stehe für ein Programm.
Bleibt da noch Platz für den Buchhandel? René Kohl von Kohlibri, einer Sortimentsbuchhandlung im Netz, ist skeptisch. Nach jedem Crowdsourcing-Hype mussten die Buchhändler Regale leerräumen, weil die entsprechenden Titel wie Nachschlagewerke, Lexika und Wörterbücher nicht mehr verkäuflich sind. Aufgefüllt wird mit Nonbooks wie der Schmuserolle, die sich dank Crowd-PR-Maschine (René Kohl) bestens verkauft hat, seitdem einige Blogger die ihnen kostenfrei zugesandten Exemplare positiv bewertet haben.
Leider kam am Abend die Diskussion mit dem Publikum zu kurz. Best of BuchCamp in Berlin hat ein spannendes Thema mit vielen Facetten und Denkanstößen geboten, aber in Punkto Austausch, Kommunikation und “Spirit” bleibt Frankfurt vorne. Nächstes BuchCamp in Frankfurt: 5. bis 6. Mai 2012.
- Trail
- Digitalisierung DIG IT
- Tags
- Buchhandel, crowdfunding, Crowdsourcing, Literatur, Plattform, Verlage
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