- Datum
- 09. Mai
2011
- Avatar

- Author
- Frank Krings
- Kommentare
Aus den Totenschädeln verhungerter Urheber
Würde sich Goethe heute flattern lassen? Und ist Filesharing nicht einfach ein Kompliment für Autoren? Solche Fragen wurden auf einer launigen Podiumsdiskussion im Rahmen der “Informare!”-Konferenz erörtert. Die Informare ist eine Konferenz für Wissensarbeiter und hatte ihre Premiere im ostalgischen Café Moskau, Berlin. Da die Frankfurter Buchmesse den Bereich Fachinformation 2011 nochmal richtig pushen wird, wollte ich dort hin. Wissensarbeiter kennenlernen und so. Die besagte Diskussion war alles andere als trocken, was schon der Titel andeutete: “Guttenplag, Axolotl Roadkill & RapidShare. Was das Internet aus Autorenethik, Nutzerethik und Urheberrecht macht.” Moderiert wurde sie vom Top-Notch-Experten für Urheberrecht: Dr. Christian Sprang, Justitiar des Börsenvereins. Teilnehmer waren Constanze Kurz vom Chaos Computer Club, der telegene Polit-Journalist Hajo Schumacher, Urheberrecht-Referent Ansgar Heveling (MdB, CDU/CSU) sowie Dr. Torsten Casimir, Chefredakteur des Börsenblatt des Deutschen Buchhandels. Letzerem missfiel die Ausgrenzung der Rechte-Verwerter in den disktutierten Zukunftsvisionen zum Urheber- und Konsumenten-Recht. “Verwerter sind keine bösen Kapitalisten, die Schampus aus Totenschädeln verhungerter Urheber saufen”, empörte sich Dr. Casimir. Dagegen gefiel sich Hajo Schumacher in der Rolle des abgeklärten Medienprofis, dem eine Free-Sharing-Zukunft nichts mehr anhaben kann. Autoren sollen es eben so wie der Songwriter Clueso machen: Der lebe nur von Live-Gigs und verschenke nebenbei seine CD an Konzertbesucher. “Für stotternde Autoren sind Live-Lesungen aber kein gutes Geschäftsmodell”, bemerkte dazu Dr. Sprang. “Ach, solche Stotter-Lesungen haben doch einen großartigen Unique Selling Point”, parierte Schumacher. Und so ging es hin und her. Zwischendurch kam Constanze Kurz endlich dazu das Modell der “Kulturwertmarke” vom CCC vorzustellen. Mein Eindruck: Die Kulturwertmarke ist ziemlich bürokratisch in der Durchführung und pendelt irgendwo zwischen Kultur-Flatrate und Micropayment. Das Flattr, Kachingle und Co. einmal den Weg vom geeky Tool in den Mainstream schaffen würden – darin waren sich dann am Ende alle einig. “Ich würde heute Goethe flattern”, verkündete Justitiar DR Sprang. Lautes Kichern im Saale. Hier ist ein Ausschnitt der Diskussion, der leider mit einem unschönen Mario-Barth-Vergleich startet:
- Trail
- Digitalisierung DIG IT
- Tags
- Micropayment, Social Media, Social Web, Urheberrecht, Wissenschaft & Fachinformation