- Datum
- 02. März
2011
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- Antonia
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Ich kann lesen. Und du?
Stell dir vor es ist Buchmesse und keiner geht hin. Nein, ich spreche hier mal nicht von den Auswirkungen der digitalen Revolution auf die Buchbranche. Es geht um ein ganz anderes Thema: Stell dir vor, ganz Hessen kann gar nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben – wozu dann eine Buchmesse in Frankfurt?!
Was das soll? Am Montag hat Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan eine erschreckende Zahl verkündet: 7.5 Millionen erwachsene Deutsche, 14 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung, sind funktionale Analphabeten. Das sind fast doppelt so viele, wie bisherige Schätzungen angenommen hatten. Das muss ein Thema sein!
Analphabeten können nicht lesen und schreiben, sie sind aber nicht dumm. Vielleicht sind sie auf der Buchmesse, schauen sich die Cover an, hören bei Lesungen zu. Wer es schafft über Jahrzehnte hinweg seinen Analphabetismus selbst vor der eigenen Familie zu verbergen, der lässt sich wohl auch von einer Buchmesse nicht einschüchtern. Umso wichtiger, dass Analphabeten auf der Buchmesse eine Bühne geboten wird: Die Frankfurt Book Fair Literacy Campaign (LitCam) gibt ihnen gemeinsam mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. eine Stimme. Die hören sich dann z.B. so an: „Ich war 25 Jahre mit meinem Mann verheiratet, bevor er merkte, dass ich nicht lesen und schreiben konnte.“ „Wenn ich am Fahrkartenautomaten um Hilfe gebeten und den Grund genannt habe, reagierten die Leute oft, als sei das ansteckend.“ Lerner und Botschafter reden hier öffentlich über ihren Lebensweg und haben dabei ein klares Ziel vor Augen: Anderen Analphabeten zu zeigen: „Du kannst es lernen! Komm in einen Alphakurs! Du bist nicht allein!“ Bisher besuchen gerade mal 0,25 Prozent der Betroffenen entsprechende Kurse.
Hilfe für die Betroffenen ist das eine, Vorbeugung das andere. Deutschland als Bildungsnation – die Diskussion wird geführt: z.B. auf der gerade mit einem Besucherrekord zu Ende gegangenen Didacta oder durch die große Bildungsumfrage von Bild, Hürriyet, Bertelsmann Stiftung und Roland Berger „Zukunft durch Bildung. Deutschland will’s wissen“, an der bereits 150 000 Menschen teilgenommen haben. Neben Öffentlichkeit und Politik braucht es konkrete Maßnahmen: Die LitCam-Projekte „Fußball trifft Kultur“ setzen genau hier an. Kinder aus bildungsfernen Schichten erhalten zweimal die Woche Fußballtraining und anschließenden Förderunterricht. Zusätzlich stehen kulturelle Events auf dem Programm. Schon frühzeitig wird also Kindern, die von ihren Familien nicht genügend Unterstützung für eine gute Bildung erhalten können, ein Weg aufgezeigt, der Kompetenzen fürs Leben vermittelt. Denn: 7.5 Millionen sind zu viel! Die Sicherung von Grundbildung muss immer wieder thematisiert und eingefordert werden. Besonders auf der Buchmesse!
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- Frankfurter Buchmesse
- Tags
- Analphabetismus, Bildung, LitCam