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Vorbildliche Bibliographie

Der erste Text, der der argentinischen Literatur zugeordnet wird, ist das romantische Gedicht „La cautiva“ von Esteban Echeverría. Es erschien 1837 und wurde schon 1861 ins Deutsche übersetzt. Doch erst Mitte der 1920er-Jahre wurde die argentinische Literatur vermehrt ins Deutsche übertragen. Jetzt ist zum 200jährigen Jahrestag der argentinischen Unabhängigkeit eine ausführliche von Klaus Küpper verfasste Bibliographie der übersetzten argentinischen Literatur erschienen.
Küpper hat über die Jahre ein privates Archiv für übersetzte Literatur aus Lateinamerika und der Karibik in Köln aufgebaut. Die Sammlung ist eine Basis für die Bibliografie neben den Recherchen in Bibliotheken und spezialisierten Instituten in der ganzen Bundesrepublik.
Das Buch, geschmackvoll gebunden, liegt gut in der Hand und schmeichelt den Zahlen und Karteikarten verliebten Blick des Archivars und all jenen, die bislang mühsam in öffentlichen Bibliotheken Informationen zu übersetzen argentinischen Büchern suchen mussten. Der Bibliographie vorangestellt ist ein nüchterne Darlegung von Küppers Vorgehensweise: Erstmals sind neben Prosa, Lyrik und Essay auch Titel für Sehbehinderte und Dramatische Werke auf 496 Seiten erfasst. Ausführlich werden bei Sammelpublikationen und Anthologien, Gedicht- und Erzählbänden die einzelnen Beiträge gewürdigt.
Das Buch enthält neben den reinen Daten (Erstpublikation, Verlag, Erscheinungsort, Übersetzernamen) eine implizite Rezeptionsgeschichte der argentinischen Literatur in Deutschland. Zählt man die Seiten, welche das Verzeichnis seiner übersetzten Werke in der Bibliographie einnimmt, ist Borges mit 77 Seiten der meist veröffentlichte Autor des Landes. Sein literarischer und politischer Widersacher Roberto Arlt gilt es auf anderthalb Seiten erst noch zu entdecken. Im langen Schatten von Borges stehen Julio Cortázar mit 22 Seiten, der Lyriker Juan Gelman und Horacio Quiroga mit sieben Seiten. Alfonsina Storni mit sechs Seiten ist die meist veröffentlichte Frau und bestätigt den Eindruck, dass zumindest die im deutschen Sprachraum rezipierte Literatur aus Argentinien männerdominiert ist. Auffällig auch, dass allein auf 33 Seiten Anthologien verzeichnet sind – allem Anschein nach reizt das Land immer wieder zu literarischen Erkundungen.
Lobend hervorzuheben ist, dass selbst verstreute Veröffentlichungen junger Autoren der argentinischen Literatur wie Cecilia Pavón und Samantha Schweblin, Fabián Casas und Washington Cucurto, Félix Bruzzone und Lucía Puenzo in Fanzines und literarischen Zeitschriften zu finden sind. Die Bibliographie füllt somit eine bislang bestehende Lücke in der lexikalischen Erfassung der argentinischen Literatur in deutscher Übersetzung, lädt aber auch ein, auf Entdeckungsfahrt zu gehen, und sollte in keiner gut sortierten Bibliothek der Republik fehlen.

Klaus Küpper, “Bibliographie der argentinischen Literatur”, Verlag Klaus Küpper, Köln, 2010.

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