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Schwimmbeckenreiniger

Félix Bruzzone. Foto: Timo Berger

Félix Bruzzone ist ein außergewöhnlicher Schriftsteller. Mir fällt es schwer zu seiner Beschreibung nicht das geflügelte Wort “ihm sitzt der Schalk im Nacken” zu bemühen. Denn seinen Erzählungen unterliegt oft ein ironischer Unterton – und auch auf Lesungen schafft er es mit Humor neue Schlaglichter auf die argentinische Vergangenheit zu werfen. Und das, obwohl seine Biografie alles andere ist als eine Einladung zum Scherzen. Er selbst lässt den Ich-Erzähler einer seiner biografisch gefärbten Kurzgeschichten aus seinem Band “76″ (Berenberg Verlag, Berlin, 2010) sagen: “Mein Vater verschwand drei Monate vor meiner Geburt, meine Mutter drei Monate nach meiner Geburt”.

Am Freitag Abend wurde Bruzzone in der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin der diesjährige Anna Seghers-Preis verliehen. Doch Bruzzone ist kein Mensch, der ob der Leerstelle in seiner Biografie verzweifelte. Wiederholt hat er betont, dass er trotz zweier “verschwundener” Eltern eine glückliche Kindheit hatte. Er wuchs bei seiner Großmutter und zeitweise unter der Obhut seiner Tanten auf. Dennoch ist ihm die Biografie, wie er bei einer Lesung in der Berliner Lettrétage am Samstag betonte, der Ausgangspunkt, wenn nicht die Inspiration für das Schreiben.

In “76″ und dem nachfolgenden Roman “Los Topos” (“Die Maulwürfe”) sind die Protagonisten meist Kinder von Verschwundenen, teilen also das Schicksal des Autors – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Beim Schreiben löst sich der Autor von realen Ereignissen – seiner Autobiografie, Berichten anderer Menschen aus dem nahen und fernen Umfeld – um eine fiktive Geschichte zu erfinden, in dem sich auch andere, fremde Geschichte widerspiegeln können. Bruzzone fasste dies im Bild eines Schwimmers, der sich oben auf der Wasserfläche treiben lässt, der das Element liebt – den Strom der Ereignisse – und der unter sich – weil das Wasser sauber ist – einen Grund sieht. Einen Grund, den er manchmal erreichen will. Einen Grund aber, der obwohl er ihn sieht, von oben nicht zu fassen ist. Dieser Grund ist der Kern seiner Geschichten, ein Rest des Unerklär- wenn nicht Unsagbaren.

Es wundert nicht, dass sich sein neuester, eben in Argentinien erschienener Roman “Barrefondo” (Mondadori, Buenos Aires, 2010) zwar nicht mit den Folgen der Militärdiktatur auseinandersetzt, dennoch in der Nähe des Schwimmens angesiedelt ist: Die Hauptfigur ist ein professioneller Schwimmbeckenreiniger, wie übrigens Félix Bruzzone auch in seinem wirklichen Leben, wenn er nicht gerade schreibt.

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