- Datum
- 20. Oktober
2010
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- Author
- Timo Berger
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Schweizer Nachspiel
Zofingen ist eine Kleinstadt im Kanton Aargau. Prächtige Bürgerhäuser künden im historischen Stadtkern von einstiger Größe. Für drei Tage (15. bis 17. Oktober) beherbergt die Stadt zwischen Basel und Zürich, Bern und Luzern, die Argentinischen Literaturtage: Initiiert mit großem Engagement von Christine Siegfried orientiert man sich beim Programmschwerpunkt seit ein paar Jahren am Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Die Zofinger Literaturtage haben ein treues Publikum, das die Lesungen, Diskussionen, Filmvorführungen und Vernissagen zum Thema argentinische Literatur interessiert verfolgt. Zwei Dinge zeichnen das Festival aus: Zum einen die wechselnden Locations: Mal liest Ariel Magnus in einer bis zur Decke voll gestopften Buchhandlung oder diskutiert Markus Hediger mit seiner Übersetzerkollegin Susanna Mende im Festsaal eines Hotels über die Besonderheiten des argentinischen Spanisch, mal trägt Diana Bellesi auf einer Theaterbühne ihre Verse vor oder sitzen die Zuschauer Zuhause bei Christine Siegfried, um der Lesung von María Teresa Andruetto aus ihrem Roman „Wer war Eva Mondino?“ zu lauschen. Zum anderen erlebt man in Zofingen Literatur zum Anfassen. Die Distanz zwischen Publikum und Vortragenden ist verschwindend gering. Nach jeder Veranstaltung gibt es Fragen. Mit den Schweizern sind die geladen Autorinnen und Autoren schnell per Du und verlagern die Gespräche über Literaturszene und Verlagslandschaft bald in die umliegenden Restaurants und Bars. Es soll sogar ein Lokal geben, versichert Edgardo Cozarinsky, in dem die argentinische Biermarke Quilmes ausgeschenkt wird. Marcelo Figueras, der am Freitag den ersten Abend beschloss, soll sich eines genehmigt haben. Während Figueras – wie andere teilnehmenden Autoren – gerade von der Frankfurter Buchmesse kam, war Cozarinsky extra für seine Lesung am Samstag Abend in der vollen Aula der Oberschule angereist. Ihn hatten einige Leser und Kritiker – neben César Aira und Ricardo Piglia – auf der Buchmesse vermisst. Die Literaturtage am Fuße der Alpen schlossen mit einer fulminanten Lesung der Dichterin Diana Bellesi aus ihrem Gedichtband „Tener lo que se tiene“ (Man hat was man hat). Das Publikum forderte zwei Zugaben. Danach gab es zum Ausklang Mate, Alfajores und Musik aus Missiones. Nächstes Jahre teilen die Zofinger Krimis, Ponys, Geysire und den Eyjafjallajökull mit dem nächsten Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.
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